Die beiden vorstehenden Beiträge drängen den Eindruck auf, der (Bezirks-)Schornsteinfeger könne nur entweder Opfer oder Täter in einem rechtswidrigen System sein. In Wahrheit jedoch ist er in den meisten Fällen wohl beides.
Ich habe bereits versucht, für den Unterschied zwischen "Schornsteinfeger" als Beruf und der Funktion "Bezirksschornsteinfeger" zu sensibilisieren. Praktisch hätten wir keine Diskussion an dieser Stelle, wenn es nicht ein SONDER-Gesetz geben würde, welches aus dem "normalen" Beruf des "Schornsteinfegers" die SONDER-Funktion "Bezirks-Inhaber" machen würde.
Und selbstverständlich dürfte es für jeden objektiv denkenden Bürger offensichtlich sein, dass ein derartiges Mischsystem nur dank kräftiger Lobbyarbeit des Schornsteinfeger-Berufsverbands aufrecht erhalten wird. Ohne diese Interessen wäre es ein Leichtes, die Sicherheit von Feuerungsanlagen einfacher, schlanker und vor Allem nachvollziehbar zu gestalten.
ICH nehme es hierbei den Schornsteinfegern noch nicht einmal übel, dass sie einen einmal erreichten Status und die hiermit verbundenen Vorteile erhalten wollen, jeder verteidigt SEINE Privilegien. Die Gewerkschaften würden vielleicht am liebsten die Gehälter verdoppeln; die Arbeitgeber jedoch nur Minimalkosten tragen. Dieser Widerstreit der Interessen prägt eine freiheitliche Demokratie.
Problematisch wird es jedoch, wenn nur EINE Seite Zugang zur gesetzgebenden Politik und die hinreichenden Mittel zur Einflussnahme hat. Für den einzelnen belasteten Hausbesitzer sind es 50, 100 oder auch mal 200 Euro im Jahr. Das System der Bezirks-Handwerker jedoch verfügt jährlich über rund 2.000.000.000 Euro. Die Belastung des einzelnen Gebäude-Eigentümers oder -Mieters ist zudem knapp unterhalb der Schmerzgrenze. Also wird meist lieber bezahlt als protestiert.
Und jetzt kommt ein Merkmal jedes UNRECHTS-Systems hinzu: Der Einzelne verliert seine Verantwortung. "Ich kann ja gar nicht anders, das Gesetz schreibt es schließlich vor." Und wer bereits einmal einen stotternden Schornsteinfeger vor Gericht gesehen hat, wenn dieser hilflos etwas von "Vogelnestern" und "Flusen im Brenner" stammelt, kann fast Mitleid mit dem "armen" Vertreter der Zunft am untersten Ende der Einflusskette gewinnen. Natürlich weiß der Feger, dass Deutschland nicht abbrennen und die Bewohner nicht reihenweise an CO-Vergiftung sterben würden, wenn auf alle überflüssigen Schornsteinfeger-Kontrollen und -Arbeiten verzichtet würde. Aber er weiß eben auch, dass der kleinste Riss im Staudamm schnell zum Dammbruch führt. Würden die Feger eine Diskussion über Sinn und Unsinn einzelner Positionen der KÜO erlauben, das Gesamtkonstrukt wäre rasch am Ende; die Unverhältnismäßigkeit der Anforderungen an die deutschen Bürger wäre zu offensichtlich.
Wenn ich zuvor ausführte, dass ich den Schornsteinfegern in den meisten Fällen deren Egoismus noch nicht einmal übel nehme, so bleibe ich eine Antwort auf die Frage schuldig, wer denn für dieses SONDER-Recht, dieses unzeitgemäße Misch-Konstrukt aus Handwerk und Behörde verantwortlich ist. Und wie in jedem Netzwerk, in jedem "chaotischen System" gibt es schlicht nicht die EINE Ursache, den EINEN Schuldigen.
Es ist die Politik, die von Lobbyinteressen eingelullt die Grundrechte der Bürger ignoriert.
Es ist die Verwaltung, die sich logisches Denken nicht erlaubt und einseitig auch wider besseres Wissen dem Schornsteinfeger-Klüngel den Rücken stärkt.
Es ist die Justiz, die statt ALLGEMEINES Verfassungs- und Verwaltungsrecht auch auf Schornsteinfeger anzuwenden, hier einen SONDER-Weg konstruiert.
Es sind aber natürlich auch die Interessenvertretungen der Schornsteinfeger, die egoistisch ihre Eigeninteressen über das Gemeinwohl stellen.
Und es sind leider auch all die braven Bürger in diesem Land, die sich mit Plattheiten wie "Öffentlicher Sicherheit" abspeisen und ruhig stellen lassen; es sind die unkritischen und bequemen Geister, die sich nicht trauen, den Kopf aus der Masse der Stillhalter zu erheben.
Natürlich zeigt dieses und andere Foren, dass es durchaus kritische und frei selbst denkende Menschen in diesem Land gibt; aber leider viel zu wenige.
Und so bleibt letztendlich nur die Hoffnung, dass sich aus dieser Keimzelle eine wachsende Zahl mündiger Bürger formieren wird. Wenn jeder, der das Schornsteinfeger-SONDER-Recht als Problemfall unserer Demokratie erkannt hat, auch nur ZWEI Andere informieren und aktivieren würde, wie schnell würde sich etwas ändern, wenn auch diese wieder die gewonnene Erkenntnis weitertragen?
Demokratie lebt vom MITMACHEN. Wer nur zuschaut, darf sich nicht beschweren, wenn Andere diese Passivität zu ihrem persönlichen Vorteil ausnutzen.
LASSEN WIR UNS ZUKÜNFTIG DOCH EINFACH NICHT MEHR ALLES GEFALLEN.
Also, wen werden Sie informieren und überzeugen?
Wann schreiben SIE den nächsten Leserbrief?
Wann wenden SIE sich an die Politik?
Wann ist IHRE Schmerzgrenze erreicht, so dass es notwendig wird, Widerspruch und Klage gegen unrechtmäßige Forderungen zu erheben?
Und wer dann noch zwischen dem RECHTSWIDRIGEN SYSTEM und den MENSCHEN unterscheiden kann, wird ein rundum gutes Gefühl haben, wenn er sich FÜR UNSERE RECHTE einsetzt.
Wir kämpfen gegen LOBBYISMUS, PROTEKTION, SONDER-GESETZE und ABZOCKE;
nicht gegen die Menschen, die einen bestimmten Beruf ausüben.