Autor Thema: Der Schornsteinfegergeselle  (Gelesen 567 mal)

Gerd aus Strausberg

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Der Schornsteinfegergeselle
« am: Feb 04, 2012, 15:42 »
Schornsteinfegergesellen diskutieren im Internet immer häufiger über die Selbständigkeit. Sie wollen sich vom Bezirksinhaber nicht mehr über den Tisch ziehen lassen. Ein Schornsteinfeger schreibt in einem Fegerforum über die zu erwartende Selbständigkeit der Gesellen ab 2013:

Franksen, dabei seit: 20.06.2011, Beiträge: 11
Herkunft (Bundesland): Baden-Württemberg

Originaltext, in einem Schornsteinfegerforum:

„... Na wenigstens hat er, wenn er sich nicht für einen Bezirk bewirbt, lang nicht so viel Verantwortung zu tragen, da er keine Feuerstättenschau – Bauabnahmen - Feuerstättenabnahmen machen muss. 20% weniger Kosten anhand der Bundesküo für Meß-und Kehrtätigkeiten kann er bestimmt anbieten. Wenn man sieht, dass ein Geselle knapp 22% bekommt - für den Tagesumsatz Netto- , was er für seinen Chef arbeitet...“

Schon interessant, wie das der Fachmann sieht. Der Geselle bekommt 22% der wirklichen Einnahmen für seine Tätigkeiten, die er für seinen Bezirksinhaber ausführt, den Rest streicht sich der Kehrbezirksinhaber ein, aber wofür? Der sitzt da schön zuhause rum und genießt das Leben, denn für ihn bleiben ja keine Tätigkeiten mehr. Wenn die Messung einer Brennwertheizung nur fünf Minuten dauert, ihm aber 70 Minuten dafür vorgegeben werden und er den Gesellen, da er ihn ja auch bezahlen muss, auslasten will und muss, kann er zwangsweise nicht mehr tätig werden. Sicherlich würde er auch die Tätigkeiten selbst ausführen wollen, doch er muss einen Gesellen beschäftigen, so verlangt es das Gesetz. Soll er nun den Gesellen nach zwei Stunden nachhause schicken, da nichts mehr zu tun ist, wenn sie sich beide die Arbeit teilen? Nein, das wird er nicht tun, er bleibt lieber selber daheim und frönt dem Nichtstun, was bleibt ihm anderes übrig. Die Gesellen wissen das und sie werden es ihm heimzahlen, nach 2012! Auch werden die Bezirksinhaber massenweise ihre Gesellen entlassen. Hoffentlich wissen oder ahnen die das und seilen sich rechtzeitig von ihrem Fronherren ab und gehen ihren Weg in die Selbständigkeit. Mir persönlich ist ein ehemaliger Geselle als Scheindienstleister, das wird es wohl noch längere Zeit so bleiben, wenn die meine Brennwertheizung „überprüfen“ wollen, lieber, als der Bezirksinhaber, der mich jahrelang abgezockt hat und der mir als Befehlsinhaber gegenübertritt: „komme morgen zwischen 12 und 16 Uhr“ und „an Samstagen und nach 16 Uhr arbeiten wir nicht“.

Doch was meint der Feger in seinem oberen Beitrag? Was für eine Verantwortung für eine „Feuerstättenschau“? Was für eine Verantwortung für Bauabnahmen und Feuerstättenabnahmen? Verantwortung übernimmt der Unternehmer, der Geld investiert in eine Leistung, von der er vorher nicht genau weiß, ob sie sich rechnet. Der Feger investiert nichts, das macht der Bauherr für ihn, denn nur er ist verantwortlich für alle Baumaßnahmen auf seiner Baustelle. Der Feger übernimmt keine Verantwortung, er ist nur daran interessiert, dass seine nutzlosen Tätigkeiten auch fürstlich vergütet werden.


Quelle:
12. Stelle von oben:
http://www.schornsteinfegerforum.de/thread.php?threadid=1653&page=2&sid=a19da232daf5d523dce3c5f75d392749