Autor Thema: Misstrauen im Kehrbezirk  (Gelesen 2012 mal)

Gerd aus Strausberg

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 105
    • Profil anzeigen
Misstrauen im Kehrbezirk
« am: Sep 17, 2011, 21:47 »
Misstrauen, Angst und Heimtücke gehen um bei den Schornsteinfegern …

(Aus einer Rede von Wolfgang Stehmer (SPD))

… Wen wundert es, wenn Schornsteinfeger heute schon für 2013 auch ohne den Innungssegen ihre Geschäftsfelder abstecken? Es ist noch kein Jahr her, als klar war, dass es keine Alternative zu einer Marktöffnung geben wird und schon begegnen sich die bisherigen „Mitglieder der Schornsteinfegerfamilie“ äußerst misstrauisch. Jeder Betrieb hat Angst, ob er den Umschwung 2012 / 2013 schafft und ob womöglich der bisherige nette Kollege vom Nachbarkehrbezirk nicht schon Anteile seiner Kundschaft abspenstig macht. Oder ist es gar der eigene Geselle, der nur noch darauf wartet, dass er seine bessere Ausbildung und seine guten Fortbildungskenntnisse gerade dann in die Waagschale wirft, wenn der eigene Kehrbezirk neu vergeben wird? Aber es kann natürlich auch nicht so sein, dass in einem offenen Verfahren immer nur der Inhaber zum Zuge kommt, der bisher den Bezirk hatte, wenn sich viele junge, leistungsbereite Schornsteinfegermeister mit besserer Qualifizierung bewerben ...

... Das Misstrauen geht um im Kehrbezirk, der Häuserkampf wird bald beginnen, wenn er nicht schon im vollen Gange ist! Ein Bekannter aus einem Nachbarort erzählte mir, dass der Geselle, der bei ihm zur Messung erschienen war fragte, wenn er sich selbständig machen würde, ob er ihn dann für die Fegerarbeiten bestellen würde. Die Gesellen erkennen, dass sie jahrelang durch den Bezirksinhaber ausgebeutet wurden. Der saß untätig zuhause rum und sie mussten für relativ wenig Geld die Arbeiten machen. Der Bezirksinhaber kassierte nur das dicke Geld und da beschreibe ich wieder den typischen Fall: Der Geselle macht eine Abgasmessung, schaut einmal in´s Abgasrohr, Zeitaufwand fünf Minuten und der Bezirksinhaber kassiert dafür 60 €. Dem Gesellen gibt er davon etwa fünf € als Bruttolohn ab. Die werden sich das nicht mehr bieten lassen und ab 2013 ihre eigenen Dienste anbieten. Auch die Heizungsbauer werden gleiche Dienste anbieten in Verbindung mit einer wirklichen Überprüfung der Heizung, verbunden mit einer Reinigung der Anlage. Wie wird sich der Kunde verhalten? Was bleibt da noch für die selbständigen Feger und was bleibt da noch für den Bezirksinhaber? Letzterer wird sich von den sinnlosen Feuerstättenschauen , dem Schreiben der Feuerstättenbescheide und den Bauabnahmen für neue Anlagen begnügen müssen. Ob das wohl ausreicht?

Quellenangabe:
http://www.wolfgang-stehmer.de/index.php?nr=26234&menu=1


Gerd aus Strausberg

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 105
    • Profil anzeigen
Re: Misstrauen im Kehrbezirk
« Antwort #1 am: Sep 18, 2011, 12:05 »
Gefunden in einem Fegerforum. So denken die Gesellen:

Ein Geselle, der sich „Kleiner Bruder“ nennt, will sich gern selbständig machen.


„Ich beschäftige mich schon seit über drei Jahren mit dem Thema "Selbständigkeit" und habe die oben genannten Punkte natürlich genauestens bedacht. Die Mehrheit der Kunden fragen schon seit Jahren wann ich mich denn endlich selbständig machen kann. Die sind mit ihrem BSM nämlich ziemlich unzufrieden. Die Kacke wäre eigentlich schon längst am Dampfen, wenn ich nicht immer wieder meinem Chef aus der Klemme helfen würde (bin ja z.Zt. noch auf Ihn angewiesen). Ein gutes Polster habe ich mir in den 13 Jahren als Geselle auch angefuttert (habe keine Kinder!) und die Räumlichkeiten würden für drei Betriebe reichen (großes Haus mit Nebengebäuden). Vor zwei Jahren habe ich auch schon einen Existenzgründerseminar besucht, denn es war schon damals vorauszusehen was im Schornsteinfegerhandwerk passieren wird (auch wenn das die BZ´s immer großkotzig verneint haben)… Das einzige was jetzt noch fehlt, ist der Meistertitel, aber der ist auch schon in Arbeit.
@ alle Gesellen: Haut rein und macht es den Meistern nicht so leicht! Lasst euch nix erzählen und verkauft euch nicht "unter Preis". Immerhin geht ohne uns "Lakaien" gar nichts!!!
Ich bin bereit!“

„Kleiner Bruder“
@StadtFeger: Hast ja recht, eigentlich ist das auch nicht mein Stile, aber ich habe leider die Erfahrung gemacht, dass die guten Meister eine Ausnahme sind. Mir gefallen die Dollarzeichen in den meisten Augen der BSM´s nicht. Ich finde immer noch das der Kunde an erster Stelle steht, und nicht das Geld. Wir sind und bleiben Dienstleister und sind nicht die "Elite des Handwerks" (Zitat eines Vorstandes in der Innung) …

Bezirksschornsteinfeger „Uwe“ aus Berlin antwortet und will ihm das mit allen Mitteln ausreden, denn Konkurrenz kann man nach wie vor nicht gebrauchen. Ein Schreckgespenst, wenn sich die Gesellen selbständig machen und den Bezirksinhabern die Einnahmen streitig machen. Möglichst soll alles so bleiben wie es ist, das wird es aber nicht.  >:(

„Also „Kleiner Bruder“. Ich glaube nicht dass das was wird:
Wie viele Kunden glaubst du wirst du haben ? Wieso sollten die gerade dich nehmen ?
Wie sieht deine Ausrüstung aus? Ein Besen allein wäre etwas wenig. Messgeräte musst du nicht nur haben sondern auch halbjährig prüfen lassen. Irgendwie musst du auch zu deinen Einsatzstellen hingelangen, also ein Betriebsfahrzeug wäre schon nicht schlecht. Und dann natürlich noch eine Werkstatt und ein Büro. In welchen Organisationen bist du, die dich vielleicht mal darüber informiert wenn sich wieder mal irgendwas ändert ? Neben einen Berufsverband musst du aber mindestens in der Handwerkskammer und in der Berufsgenossenschaft sein. Hast du daran gedacht dass das Geld was du einnimmst nur zu einen ganzen geringen Teil dir gehört ? Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Krankenversicherung, Pflegeversicherung wollen Geld. Und Steuern solltest du auch zahlen. Daneben noch ein Steuerberater und was sonst noch so da ist. Eine Betriebshaftpflicht solltest du auch haben und ideal wäre es wenn du auch eine Versicherung hättest damit du nicht sofort Pleite bist wenn du vielleicht mal einen kleinen Unfall hast. Denk auch daran das du höchstwahrscheinlich laue Zeiten überbrücken musst. So ein Geschäft ist nur in den Träumen gleich ein Riesenerfolg. Du solltest einiges an Geld auf der hohen Kante haben um solche Zeiten zu überbrücken. Besonders am Anfang wirst du enorme Kosten haben. Denk auch daran, dass du werben musst. So etwas kostet nicht nur Geld sondern auch viel Zeit. Dann solltest du jemand zumindest am Telefon sitzen haben. Tut mir leid, aber ich halte das Ganze für ziemlich Naiv. Ich glaube nicht das du es länger als ein halbes Jahr aushältst.“

Quellenangabe:

http://www.schornsteinfegerforum.de/thread.php?threadid=1653&threadview=0&hilight=&hilightuser=0&page=2

TWMueller

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 230
  • Wir sind die Summe vieler Ichs.
    • Profil anzeigen
    • SchornsteinFegerRechts-Reform
Re: Misstrauen im Kehrbezirk
« Antwort #2 am: Sep 18, 2011, 20:05 »
Wünschen wir den Alt-Meistern, die in ihren bequemen Monopol-Bezirken ganz vergessen haben, was Wettbewerb für alle anderen Handwerker bedeutet, dass ihnen möglichst viele Jung-Meister mal zeigen, wie Marktwirtschaft funktioniert.

Und wenn die Front der verschworenen Feger erst mal etwas aufgebrochen sein wird, werden auch die Bürger leichter ihre berechtigten Interessen bei Politik und Verwaltung anbringen können.

Der nächste Schritt wird die Abschaffung der Handwerker-Behörde "Beauftragter Bezirksschornsteinfeger" sein. Dieses Konstrukt ist derart offensichtlich rechtswidrig, dass es wohl kaum einige Widerspruchsverfahren gegen Feuerstättenbescheide durch die gerichtlichen Instanzen überleben kann.

Wieder einmal zeigt sich: Ist erst ein kleiner Riss im Staudamm, braucht man auf den Dammbruch nur noch warten.

Aber ein paar mehr Klagen gegen das verfassungswidrige SchfHwG und die Bundes-KÜO könnten dem Spuk noch schneller ein Ende bereiten.
Thomas W. Müller
Aktion SchornsteinFegerRechts-Reform

Tel.: (06134) 564620
Mail: post@sfr-reform.de
Ich freue mich über jeden persönlichen Kontakt.

Gerd aus Strausberg

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 105
    • Profil anzeigen
Re: Misstrauen im Kehrbezirk
« Antwort #3 am: Sep 28, 2011, 19:30 »
Misstrauen im Kehrbezirk  >:(

Der Schornsteinfegerlehrling wird von Anfang an ausgebeutet, der Bezirksfeger zieht in der Regel nicht in Erwägung, ihn nach seiner Lehre einzustellen, denn er hat ja einen Gesellen und zwei von denen kann er nicht gebrauchen, denn dazu reicht die Arbeit nicht aus, es sei denn, der bisherige Geselle geht in Rente oder macht Probleme, will vielleicht mehr Geld. Durch die sehr hoch festgesetzten Zeiten muss der Bezirksinhaber ohnehin nicht mitarbeiten, denn kaum der Geselle kann seine Arbeitszeit voll auslasten. Man bedenke, das für die Messung an einer Brennwertanlage ca. 75 Minuten eingeplant sind, diese auch vom Kehrgebührpflichtigen bezahlt werden müssen, der Geselle aber nach fünf Minuten wieder das Haus verlässt. Mit Wegezeiten kommt man da auf unter 15 Minuten pro Haus. Der Geselle kann in acht Stunden bequem 32 Häuser „abarbeiten“. Geplant wurde aber nur, bedingt durch die staatlich festgelegten „Arbeitseinheiten“, dass er gut sechs Häuser schafft. Er kann aber gut das Fünffache schaffen! Wie kriegt er das hin? Sein Meister darf da nicht mehr in Erscheinung treten, denn  der Geselle ist schon nach zwei Stunden fertig mit seiner Scheintätigkeit, vorausgesetzt man kriegt das hin, dass von Haus zu Haus gearbeitet wird, aber der macht dann auch noch die Feuerstättenschau, die gerade anliegt, wenn er sowieso im Haus ist, die eigentlich nur der Bezirksinhaber machen muss, aber das nimmt man nicht so genau weil das hier so üblich ist. Zeitaufwand kommt also nicht hinzu, aber die Rechnung erhöht sich beträchtlich. Da der aber den Gesellen ohnehin bezahlen muss bleibt der Kehrbezirksinhaber daheim, das ist durchaus verständlich. Was hier nicht stimmt sind die für die Tätigkeiten festgelegten „Arbeitseinheiten“, sprich Minuten, die die Feger selbst festlegen, dann von Gutachten sprechen, die sie selbst durchführen und der Politik schmackhaft machen, die setzt diese Wünsche oder besser Forderungen der Feger dann in verbindliche Gesetze um und zahlen muss der Bürger zum Wohle der Feger. Nach dem 01.01.2013 wird für den Kehrbezirksinhaber erheblich weniger Arbeit anfallen, da die Bürger sich preislich günstigere Anbieter suchen. Nicht wenige werden sich auch mit dem Bezirksinhaber überworfen haben, dessen Bevormundung überdrüssig sein. Die Heizungsfachleute übernehmen dann größtenteils die bisherigen Messaufgaben und Kehrtätigkeiten. Die Gesellen sind auf einen Schlag arbeitslos und werden entlassen. Die werden sich dann ihrerseits selbständig machen und zusätzlich den Markt überschwemmen, was wiederum die Preise drastisch fallen lässt, denn jeder der neu gebildeten Betriebe und der alteingesessenen Heizungsbauer möchten etwas vom Kuchen abbekommen und das geht nur über einen günstigeren Preis. Die Feger wissen das und propagieren bereits seit Jahren „die Preise werden steigen“, jedoch ist das reines Wunschdenken. Das letzte halbe Jahr vor der „Wende 2013“ im Fegerwesen wird sicherlich von den Gesellen genutzt werden, gezielt Werbung für ihren neu zu gründenden Einmannbetrieb zu machen, ein ungesundes Klima im Kehrbezirk. Nach ein paar Jahren Lehre und Gesellentätigkeit, der Geselle hat dann auch mitgekriegt wie es läuft, erhofft sich der bisher schamlos ausgebeutete Mitarbeiter einen eigenen Kehrbezirk und deshalb hielt er bisher still und macht dann das mit seinem Gesellen, was ihm bisher widerfuhr. Das heißt er wollte es so machen, hörte sich für ihn auch bisher ganz gut an. Hätte er erst einmal seinen eigenen Bezirk, beschränken sich seinen Tätigkeiten nur noch auf Rechnungen schreiben, Bauabnahmen, Kehrbuch führen, die Feuerstättenschau macht gleich der Geselle mit…  Alles zusammen eine Rieseneinnahmequelle bei vielleicht täglich einer bis zwei Stunden Arbeit für den bisherigen Gesellen als zukünftigen Bezirksinhaber. Die Situation hat sich aber inzwischen dramatisch geändert und das betrifft in erster Linie die Gesellen, denn die Hoffnung auf einen Kehrbezirk ist stark ins Wanken geraten, denn der geduldige Geselle erhält den nicht nach vielen Jahren des Wartens automatisch. Auch ist es fraglich, ob sich der Besitz eines Kehrbezirks demnächst überhaupt noch lohnt. Selbst auf Webseiten der Feger rechnet man nach 2013 mit freien Kehrbezirken, die niemand mehr haben will.