Im angestrebten Ergebnis stimme ich mit Joachim Datko völlig überein. Bei der Einschätzung der Schornsteinfeger als individuelle Menschen liegen wir vielleicht etwas auseinander. Wenn er schreibt:
Meiner Ansicht nach sind alle Schornsteinfeger üble Menschen ...
so halte ich die Aussage für etwas überzogen (und logisch auch nicht haltbar). Eine Aussage mit "ALLE" ist praktisch immer falsch, da man nur EINE AUSNAHME finden muss, um die Aussage zu widerlegen. Persönlich habe ich auch ein Problem damit, was "üble Menschen" sind. Hier fehlt mir ein halbwegs objektiver Maßstab. Wird man bereits zum "üblen Menschen", wenn man Geschenke des Gesetzgebers dankend annimmt? Wahrscheinlich muss auch ich mich als "übler Mensch" verstehen, denn ein Engel bin ich in meinem Leben nie gewesen.
ICH habe mit den MENSCHEN, die den Beruf des Schornsteinfegers ausüben, nicht mehr und nicht weniger Probleme, als mit allen anderen auch. Ich bin ein energischer Gegner eines SONDER-Rechts, das Sicherheitsaspekte mit einem bevorzugten Berufsstand unzulässig verknüpft. Ich bin gegen Monopole und überzogene Beschneidungen von bürgerlichen Grundrechten.
Leider bewirkte das Schornsteinfeger-BEZIRKS-Monopol, das nunmehr langsam fallen soll, nicht nur, dass Hauseigentümer und Mieter mit überflüssigen PFLICHT-Arbeiten und -Kontrollen belastet werden, es hat auch einen erheblichen, schädlichen Einfluss auf die Qualität der Schornsteinfeger-Tätigkeiten gehabt. Hätten die Bürger bereits früher den Schornsteinfeger als normalen Handwerker FREI beauftragen können, hätte "der Markt" bereits die schwarzen Schafe weitgehend aussortiert. Wie in jedem anderen Bereich des Lebens gibt es natürlich auch bei den Schornsteinfegern Personen, die versuchen, möglichst bequem durchs Leben zu kommen und hierbei andere ausnutzen, ja regelrecht "abzocken".
Aber ebenso gibt es mit Sicherheit auch Schornsteinfeger, die gern freundlich und hochqualifiziert eine gute Handwerksarbeit zu fairen Konditionen anbieten wollen. Diese Gruppe des Schornsteinfeger-Handwerks braucht auch keine Sorge vor einer Marktöffnung zu haben. Sie werden gegenüber denjenigen, die sich bislang bequem auf ihrem Bezirks-Monopol ausgeruht haben, die Nase vorn haben. Wer tatsächlich ein Interesse an einer Marktöffnung und einer Abschaffung eines verfassungswidrigen SONDER-Rchts ist, sollte daher versuchen, die Schornsteinfeger zu unterstützen, die wirklich HANDWERKER sein wollen.
Bis 2013 besteht leider (solange das SchfHwG noch nicht vom Verfassungsgericht für NICHTIG erklärt wurde) nur die Möglichkeit, alternative Anbieter aus dem EU-Ausland zu beauftragen, wenn man mit seinem BEZIRKS-Pflicht-Kehrer unzufrieden ist. Ab 2013 wird dann hoffentlich ein frischer Wind in diese alten, verkrusteten Strukturen wehen. Wer also durch Zufall einen freundlichen und fachkundigen Vertreter dieses Handwerks als Bezirksschornsteinfeger hat, kann sich glücklich schätzen. Vielleicht denken sogar einige andere Vertreter dieser Zunft daran, dass ihr Auftreten heute als Visitenkarte dient, wenn 2013 die Wahlfreiheit kommt. Und da auch die Bezirke für die angeblich "hoheitlichen" Aufgaben nur noch für 7 Jahre vergeben werden, dürften all zu viele Beschwerden bei der Aufsichtsbehörde einer Neubestellung nicht gerade förderlich sein.
Ich würde mich freuen, wenn immer mehr Bürger erkennen, dass das Schornsteinfeger-SONDER-RECHT ein system- und verfassungswidriges Problem darstellt. Es wird Zeit, Sicherheitsaspekte und Wirtschaftsinteressen STRIKT zu TRENNEN. Aber das Kernproblem ist das GESETZ und nicht der Mensch, der den Beruf des Schornsteinfegers ausübt. Sobald das SONDER-Recht abgeschafft wurde, wird niemand mehr Probleme mit einem Schornsteinfeger haben, die er nicht auch mit jedem anderen Handwerker haben könnte. Streicht die Privilegien und auch die Schornsteinfeger werden wieder Menschen wie Du und Ich.