Autor Thema: Was wird nach 2012 aus den Schornsteinfegern?  (Gelesen 28922 mal)

Gerd aus Strausberg

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„Mit der Neufassung des Schornsteinfeger-Handwerksgesetzes … im November 2008 wurde der Weg bereitet für eine schrittweise Überführung des Schornsteinfegerhandwerks in den freien Markt.“ Schreibt eine Fegerseite. „Da mit den verbleibenden hoheitlichen Aufgaben kein Betrieb geführt werden kann, müssen neue Einnahmequellen erschlossen werden und die Betriebe sind nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten zu führen.“ Das ist der springende Punkt, hier gibt man es zu. Bisher konnte ich immer nur lesen: „… wir haben vor 2013 keine Angst, … wir rechnen nicht mit Abwanderung von Kunden.“ Unter der Quellenangabe findet der Schornsteinfeger eine sehr ausführliche Beschreibung, wie er durch „Kundenbindung“ seinen Betrieb nach 2012 überhaupt über Wasser halten kann.  ???

Da ist es dann wohl vorbei mit der Selbstherrlichkeit, mit der Bevormundung, mit der Einschüchterung, mit der fünf Minuten dauernden Tätigkeit an meiner Gasheizung und dafür über 50 Euro haben wollen.  :'(  Da ist es vorbei mit „… Samstags arbeite ich nicht, … nach 16 Uhr habe ich Feierabend, … ich komme zwischen 10 und 15 Uhr, halten Sie sich bereit.“  :-[ Durchgeknallte Feger werden das mit Sicherheit nicht überleben,  >:(  anpassungsfähige Feger, sofern sie in der Vergangenheit ihre Zwangskunden nicht drangsaliert haben, wohl eher.


... da mit den verbleibenden hoheitlichen Aufgaben kein Betrieb geführt werden kann, müssen neue Einnahmequellen erschlossen werden …, sagt die Fegerseite.

Quellenangabe:

http://www.schornsteinfeger.de/bilder_ziv/files/kundenbindung.pdf



TWMueller

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Re: Was wird nach 2012 aus den Schornsteinfegern?
« Antwort #1 am: 17.12.11, 16:25 »
Aber hoppla! Hier scheint die Propaganda der Feger ja schon gewirkt zu haben. Tränen in den Augen jammern die Feger, ihre Betriebe seien ab 2013 gefährdet. ABSOLUTER BLÖDSINN. Zwar könnte durch die (teilweise) Marktöffnung theoretisch ein superfauler und superunfreundlicher Feger das Nachsehen haben, aber der zu verteilende Kuchen wird ja nicht kleiner. Im Gegenteil. Dank guter Lobbyarbeit werden eher zusätzliche "Pflichtaufgaben" an das Schornsteinfeger-"Handwerk" vergeben.

Wirklich etwas ändern würde sich nur, wenn die protektionistische Gesetzgebung komplett verschwinden würde und insbesondere die Anforderungen der KÜO dem Stand der Technik angemessen zusammengestrichen würden. Für den Bürger, für die Hauseigentümer und Mieter wird sich zumindest im Geldbeutel kaum etwas ändern. Vielleicht kommt es zu etwas Unruhe im "neuen Markt" der Schornsteinfeger-"Dienstleistungen", aber nach einer kurzen Periode von Kampfpreisen neuer Schornsteinfegerbetriebe wird sich sehr schnell ein einvernehmliches Abkassieren einstellen.

Das Urteil wurde ja nicht aufgehoben oder geändert. Der Bürger darf sich ab 2013 lediglich den Henker selbst aussuchen.

Die Schein-Reform wird somit an sich wohl kaum etwas Nennenswertes für die Bürger bringen. Aber ...
In Wirklichkeit ist es doch wie bei einem Staudamm. Es hat sich ein kleiner Riss gebildet. Die paar Tropfen Wasser, die hier durchsickern, gefährden noch nicht den Stausee. Aber jeder weiß, ein Riss wird größer und größer und irgendwann bricht der Damm. Beim Schornsteinfeger-SONDER-Recht ist es ähnlich. Der Versuch, trotz von der EU geforderter Marktöffnung das System der BEZIRKS-Schornsteinfeger aufrecht zu erhalten, führte zu einem Rechtskonstrukt, das derart widersprüchlich und rechtsfehlerhaft ist, dass es nicht lange Bestand haben kann.

Wenn z.B. ein "beauftragter Bezirksschornsteinfeger" ALS Behörde Feuerstättenbescheide per VERWALTUNGSAKT erlassen soll, wird er eben nicht mehr wirtschaftlich tätig. Für eine Gesetzgebung in Bezug auf diese NICHT-WIRTSCHAFTLICHE Tätigkeit der Feger ist der BUND als Gesetzgeber jedoch gar nicht zuständig (Artikel 70 bis 74 GG). Und selbst wenn der BSM als Quasi-Behörde angesehen werden könnte, wäre er an der Mitwirkung beim Erlass von Verwaltungsakten GEHINDERT (§ 20 (1) VwVfG), da er in der Sache BEFANGENER ist (er verfolgt ja als Handwerker zugleich eigene wirtschaftliche Interessen). Dieser Widerspruch zwischen BEHÖRDEN-Funktion und HANDWERKLICHEM Verdienstinteresse kann nicht aufgelöst werden, ohne das Gesetzeskonstrukt grundlegend zu verändern. Dann jedoch gibt es keine "Übergangsfristen" und keinen "Vertrauensschutz" mehr. Die Schornsteinfeger werden 2013 FÜNF Jahre Zeit gehabt haben, sich auf den MARKT vorzubereiten.

Die längst überfällige GRUNDSÄTZLICHE Reform des Schornsteinfeger-PROTEKTIONS-Gesetzes wird den Riss im Damm vergrößern. Der totale Dammbruch kommt näher.
Die "kleine Reform" von 2008 bringt somit dem Bürger doch einen Nutzen. Nicht die Möglichkeit, sich den Zwangsfeger selbst auswählen zu dürfen. Sondern ein derart schlampig gemachtes Gesetz, dass dieses vielfach angreifbar und auf Dauer nicht haltbar ist.

Der Damm hat einen Riss. Jetzt gilt es, mit möglichst vielen Rechtsmitteln und Klagen diesen Riss zu vergrößern. Und jeder Versuch, das System der BEZIRKS-Feger zu retten, wird nur weitere Risse erzeugen. Der Dammbruch kommt. Allein, es ist eine Frage der Zeit, WANN.
« Letzte Änderung: 17.12.11, 16:32 von TWMueller »
Thomas W. Müller
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Re: Was wird nach 2012 aus den Schornsteinfegern?
« Antwort #2 am: 17.12.11, 22:02 »
Aber hoppla! Hier scheint die Propaganda der Feger ja schon gewirkt zu haben. Tränen in den Augen jammern die Feger, ihre Betriebe seien ab 2013 gefährdet. ABSOLUTER BLÖDSINN ...

Das sehe ich nicht so. Ich glaube fest daran, dass es nach 2012 erhebliche Einschnitte für die Feger geben wird. Selbst der Zwangskunde, der bei „seinem“ Feger bleiben will, kann profitieren, er muss jetzt nicht mehr mit dem Zettel im Briefkasten „komme übermorgen zwischen 10 und 16 Uhr“ einverstanden sein. Er muss auch keinen Termin mehr vereinbaren, der Feger als Dienstleister kann ihn gefälligst anrufen und über den Preis kann man auch noch sprechen. Die goldenen Zeiten sollten vorbei sein. Auch kann ich da verlangen, dass das auch noch nach 16 Uhr geht oder auch mal am Samstag. Er muss ja nicht einverstanden sein, dann nehme ich eben einen anderen Feger oder einen Heizungsfachbetrieb oder einen Ingenieur mit entsprechenden Tätigkeitsmerkmalen, der Markt wird überschwemmen, da bin ich mir ganz sicher. Das sind erst einmal Vorteile für die Heizungsbetreiber um die Scheindienstleistungen einigermaßen erträglich zu machen. Wenn ich die Gesetzgebung richtig verstanden habe, dann kann auch mein Heizungsmonteur, sofern er die notwendigen Genehmigungen/Zusatzlehrgänge hat/besucht, die bisherigen Fegerarbeiten, das sind bei mir nur Messung und Abgaswegkontrolle (ein schreckliches nichtssagendes, hochtrabendes Unwort deutscher Schöpfung) bei meiner Gasbrennwertheizung durchführen. Da er ohnehin in bestimmten Zeitabständen durch mich bestellt zu mir kommt, kann er das gleich miterledigen, wozu benötige ich da noch einen Feger? Andere Heizungsbetreiber werden das, zumindest nach einer Zeit des Übergangs, des Verstehens, auch so sehen. Ich kann mir auch vorstellen, dass dann durch den Heizungsfachmann auch Fegerarbeiten mit erledigt werden. Besen rauf … Besen runter …, keine drei Jahre Lehrzeit erforderlich. Warum sollten sich die Heizungsmonteure diese Einnahmequelle verschließen?

Übrigens, bei dieser Gelegenheit einmal meine Bewunderung, Herr Mueller, für Ihren Einsatz gegen die Fegermafia, gegen die bürgerausbeutenden Profegergesetze. Kein Eintrag im Internet und die Gegenreaktion durch Sie lässt nicht lange auf sich warten, das kostet viel Zeit … Respekt, Respekt!
« Letzte Änderung: 17.12.11, 22:06 von Gerd aus Strausberg »

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Re: Was wird nach 2012 aus den Schornsteinfegern?
« Antwort #3 am: 17.12.11, 22:58 »
Das wäre mir auch sehr recht, wenn die vorgeschriebenen Arbeiten von meinem Heizungsfachbetrieb - der von HEIZUNGEN wenigstens eine Ahnung hat - in Zukunft durchgeführt würde.

In § 2 SchfHwG heisst es aber: "Die Durchführung dieser Arbeiten darf nur durch Betriebe erfolgen, die mit dem Schornsteinfegerhandwerk in die Handwerksrolle eingetragen sind oder die Voraussetzungen nach den §§ 7 bis 9 der EU/EWR-Handwerk-Verordnung vom 20.12.2007 (BGBL. 1 S. 3075) erfüllen". (Mit letzterem sind vermutlich die ausländ. EU-Kaminkehrer gemeint).

Da befürchte ich, dass hinsichtlich des ersten Halbsatzes die zeitlichen und finanziellen Hürden für den Heizungsfachbetrieb  in der Praxis zu hoch sind.   :-\
Bei moderner Heiztechnik sind Kaminkehrer/Schornsteinfeger überflüssig. Einschränkungen des Grundrechts auf Unverletzlichkeit der Wohnung sind deshalb nicht mehr zulässig. Die betreffenden gesetzlichen Vorschriften sollten grundlegend entrümpelt und an die technische Entwicklung angepasst werden!

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Re: Was wird nach 2012 aus den Schornsteinfegern?
« Antwort #4 am: 18.12.11, 15:05 »
Ich denke, dass ab 2013 Gesellen, die bis dahin von den Bezirksinhabern noch per Gesetz beschäftigt werden müssen, freigestellt werden. Warum sollen die Bezirksinhaber Gesellen finanzieren, wenn ihnen ohnehin ein Stück von den Einnahmen weggenommen wird? Bislang müssen sie per Gesetz noch mindestens einen Gesellen beschäftigen, das ist ab 2013 nicht mehr so. Ich kann mir schon vorstellen, dass Heizungsinstallateure einen ehemaligen Schornsteinfegergesellen einstellen, dass der die Arbeiten des bisherigen Bezirksinhabers ausführt. Das werden die Fegergesellen auch so sehen und ich kann mir weiterhin vorstellen, dass die sich schnell weiterbilden, um in einem Heizungsfachbetrieb dann einen Ersatzarbeitsplatz zu finden, falls sie wegen Arbeitsmangel oder weil keine Pflicht für den Kehrbezirksinhaber mehr besteht, einen Gesellen zu beschäftigen, eine neue Anstellung suchen müssen. Ob die Heizungsfachbetriebe sich unter diesen Voraussetzungen in die Handwerksrolle eintragen können/müssen … ? Wenn hier ein Heizungsinstallateur mitlesen sollte, wäre eine kurze Stellungnahme zu diesem Thema nicht schlecht. Ich würde jedenfalls nur noch eine Heizungsfirma zur Kontrolle und Reparatur bestellen, die mir den lästigen Schornsteinfeger vom Halse hält. Wenn viele so denken, müssen letztlich alle Heizungsfirmen nachrüsten und die Möglichkeit schaffen, den teuren und nutzlosen Feger einzusparen.

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Re: Was wird nach 2012 aus den Schornsteinfegern?
« Antwort #5 am: 18.12.11, 18:53 »
Ich würde jedenfalls nur noch eine Heizungsfirma zur Kontrolle und Reparatur bestellen, die mir den lästigen Schornsteinfeger vom Halse hält. Wenn viele so denken, müssen letztlich alle Heizungsfirmen nachrüsten und die Möglichkeit schaffen, den teuren und nutzlosen Feger einzusparen.

Hinsichtlich der Betreiber von Heizungsanlagen, die einer Wartung bedürfen, wird dies sicher eine Vereinfachung darstellen.

Der Unsinn, Schornsteine und Kamin nach KÜO in FESTEN Fristen zu KEHREN, unabhängig von deren Verschmutzungsgrad, bleibt jedoch (zunächst) bestehen.

Auch JÄHRLICHE Pflichtkontrollen von Geräten, die OBJEKTIV keine besondere Gefährdung darstellen, werden leider NICHT abgeschafft.

Ich besitze nur EINEN handelsüblichen GAS-Ofen (Gasraumheizgerät), das KEINE Russablagerungen im Schornstein verursachen kann, die eine Brandgefahr darstellen könnten. Zudem hat es außer der Gasmengenregulierung KEIN einziges bewegliches Teil, das einem VERSCHLEISS unterliegen könnte. Zur Not könnte man noch nachvollziehen, dass ein derartiges Gerät bei der INSTALLATION / INBETRIEBNAHME ein Mal geprüft wird. Aber welchen Nutzen sollen WIEDERKEHRENDE / REGELMÄSSIGE KONTROLLEN haben? Jedes KFZ mit zahlreichen Verschleißteilen und einer Korrossionsgefahr bei Wind und Wetter im Freien muss nur alle ZWEI Jahre zur Hauptuntersuchung. Warum soll mein GASOFEN, im Innenraum OHNE Verschleißteile, JÄHRLICH begutachtet werden?

Antwort: Damit die Schornsteinfeger genug verdienen !

Und mit derartigen PROTEKTIONS-SONDER-GESETZEN muss Schluss sein !

Etwas Marktöffnung mag ein Anfang sein, aber das GESAMTE RECHTSKONSTRUKT muss NEUTRAL und SACHGERECHT neu geregelt werden.
SICHERHEIT - JA
VERDIENST-GARANTIEN - NEIN

Deutschland braucht zu Beginn des 21. Jahrhunderts KEIN Schornsteinfeger-SONDER-Gesetz. Wenn überhaupt wären Feuerstätten-Sicherheits-Gesetze zu erlassen - aber diese müssen selbstverständlich BERUFSNEUTRAL und lediglich NACH OBJEKTIVEM RISIKO formuliert werden.

Freuen wir uns auf etwas Verbesserung, aber verlieren wir das Ziel nicht aus den Augen: WEG MIT DEM SCHORNSTEINFEGER-SONDER-RECHT !!!!
« Letzte Änderung: 18.12.11, 18:59 von TWMueller »
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Re: Was wird nach 2012 aus den Schornsteinfegern?
« Antwort #6 am: 18.03.12, 14:50 »
Heizungsbauer als Schornsteinfeger und Schornsteinfeger als Heizungsbauer

Ab 2013 können Heizungsbauer auch Arbeiten übernehmen, die bisher nur die Bezirksschornsteinfeger oder deren Angestellte machen durften. Die Heizungsbauer müssen dazu, das hat die Schornsteinfegerlobby so durchgesetzt, einen Zusatzlehrgang absolvieren. Das kann den Bezirksinhabern schwere Verluste bereiten, denn wer bestellt sich einen Schornsteinfeger zur Kontrolle, wenn er das nicht muss und der Heizungsbauer die Anlage gewartet hat? Die unsinnigen Fegertätigkeiten wird der Heizungsfachmann gleich mitmachen: Messung der Abgaswerte und Abgaswegkontrolle. Ersteres macht er ohnehin und den Blick mit einem Spiegel in das Abgasrohr… das wird den Arbeitspreis nicht verändern. Wer da in das Abgasrohr schaut (symbolisch gemeint) oder „in die Röhre“, ist der Bezirksinhaber. Nach einer Anlaufzeit, bis alle Bürger das mitbekommen haben, macht der Feger nur noch den Bürokram. Eine schlimme Vorstellung für die Fegerlobby. Nun lese ich gerade, dass die Fegerlobby da die Flucht nach vorn vorbereitet hat und die Schornsteinfegerschule in Dülmen den Heizungsbauern einen solchen Lehrgang anbietet, so dass die ab 2013 im Prinzip „Schornsteinfeger sind“, bzw. deren Arbeiten durchführen können, sofern sie den Lehrgang besuchen. Dabei handelt es sich aber offensichtlich um einen Abschreckungslehrgang, um die Heizungsbauer von diesem Schritt fernzuhalten. So schreibt in einem Schornsteinfegerforum ein Feger in seinem ihm eigenen Deutsch:

SchOHRni; Dabei seit: 20.02.2010
Herkunft (Bundesland): Baden-Württemberg

… hzgsbauern wirdn kurs in dülmen angeboten: in ca. 5,5 wochen (216 std) zum schornsteinfeger für rund 3000 euronen. in meiner gegend hab ich noch keinen hzgsbauer, der sich das antut... bei euch jemand bekannt? obwohl son kurs in der hwk-nürnberg schonmal angeboten war,und ruckzuck ausgebucht war.

Quelle:
http://www.schornsteinfegerforum.de/thread.php?threadid=1873&threadview=0&hilight=&hilightuser=0&page=2

Da macht gerade die Fegerbildungsstätte in Dülmen nach wenigen Stunden die Feger zu Heizungsbauern, zu Elektrofachkräften, zu Energieberatern …

Geht man auf die Seite der Fegerbildungseinrichtung in Dülmen, kann man dort nachlesen:


Lehrgang für Heizungsbauer gem. Verbändevereinbarung:
Modul 2 und 2a:
Immissionsschutzmessungen und Abgaswegeüberprüfung; Schornsteinfegerarbeiten
216 Stunden;  2.925,00 €

Allein für die Abgaswegkontrolle im Modul 2 sind 56 Stunden angesetzt! Stöpsel raus, Spieglein in´s Abgasrohr halten, Stöpsel rein. Das war alles. Wohl hat man schlechte Erfahrungen mit den Fegern gemacht und diese Stundenzahl angesetzt, dass das auch jeder begreift oder will man nur abschrecken? Im Sinne der Fegerlobby ist es bestimmt nicht, dass die Heizungsbauer ihnen die Arbeit streitig machen. Aber auch daran wird bereits gearbeitet, denn nur für Bezirksinhaber sollen diese kostenpflichtig die Holzfeuchtigkeit des Brennholzes der Kehrgebührpflichtigen messen

Quelle:
http://www.schornsteinfegerschule.de/index.php?option=com_content&task=view&id=15&Itemid=53

Im Modul 2a kann man Schornsteinfeger innerhalb von 120 Stunden werden. Wieso benötigen die Schornsteinfeger dafür drei Jahre?
Im Gegenzug kann der Schornsteinfeger in wenigen Stunden zum Heizungsbauer emporsteigen. Doch es gibt gute Gründe, weshalb ich niemals einen Schornsteinfeger mit diesen Tätigkeiten beauftragen würde. Bereits die Arbeitszeit spricht dagegen, denn Schornsteinfeger arbeiten nur an Wochentagen (Mo. bis Fr.) bis 16 Uhr, hat mir mein Bezirksinhaber selber so mitgeteilt. Da geht mal Freitag am Nachmittag die Heizung auf Störung und ich muss frierend bis Montag warten, bis da einer kommt. Wenn die das nun ändern müssen/wollen, weil ihnen das Wasser bis zum Halse steht, muss der Bürger die bisherigen Bräuche der Feger nicht vergessen. Schornsteinfeger kassieren Horrorpreise, das ist allgemein bekannt. In nur fünf Minuten fallen da schon einmal, umgerechnet auf Stundenlohn, 400 Euro oder mehr an. In der Kürze der Ausbildungszeit in der Fegerschule in Dülmen dürfte es nicht möglich sein, danach eine fachgerechte Arbeit abzuliefern.

Schornsteinfeger darf sich „Fachkraft für Rauch- und CO-Warnmelder“ nennen, nachdem er das sechs Stunden in Dülmen studiert hat.

http://www.schornsteinfegerschule.de/index.php?option=com_content&task=view&id=90
« Letzte Änderung: 18.03.12, 18:07 von Gerd aus Strausberg »

Mürrischer Mieter

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Re: Was wird nach 2012 aus den Schornsteinfegern?
« Antwort #7 am: 18.03.12, 16:58 »

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Re: Was wird nach 2012 aus den Schornsteinfegern?
« Antwort #8 am: 18.03.12, 19:38 »
Wenn man von der 3-jährigen Lehrzeit der Schornsteinfeger die Stunden abzieht, in denen man die wesentlichen Elemente der aufgezwungenen Kehr- und Überprüfungsarbeiten erlernen kann, was bleibt dann noch übrig?

Scheinbar nahm bislang das Ausfüllen der Terminzettelchen oder die Formulierung von Anzeigen an die Aufsichtsbehörden einen großen Zeitraum in Anspruch.

Wer als Heizungsbauer eine ggf. elektronisch gesteuerte, moderne Heizungsanlage warten kann, dürfte über die Lehrinhalte der "Feger-Fortbildung" wohl nur müde lächeln. Allein der doch etwas happige Preis dürfte so Manchen abhalten, sich zum Nebenberufsfeger fortbilden zu lassen.

Manch andere "Weiterbildung" mag ich nicht kommentieren. Aber es gibt halt eine Urkunde mit einem hübschen Phantasie-Titel.

Wer diesbezüglich noch Bedarf hat, kann sich bei mir zu einer Express-Fortbildung anmelden. Ich biete kostenfrei eine Maßnahme zum "ERLEUCHTETEN".
Der zuvor Unwissende wird unter eine garantiert umweltfreundliche Stehlampe gesetzt. Nach dem Einschalten und kurzer Verweildauer wird er sich "erleuchtet" fühlen. Für 5,- Euro Materialkosten stelle ich dann gern auch noch ein Zertifikat aus.

Ist doch toll, wenn man sagen kann: "Ich bin ein Erleuchteter."
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Re: Was wird nach 2012 aus den Schornsteinfegern?
« Antwort #9 am: 18.03.12, 21:12 »
Wenn wir nicht noch vor 2013 das ganze System zum kippen bringen , stellen sich auch mir so manche Fragen bezüglich unsereren Bezirksschornsteinfegern.

Da ich ziemlich grenznah zu Frankfreich wohne ,sollen die französischem Feger schon in den Startlöchern stehen lt. meinem Bezirksschornsteinfeger.

Eine bedeutende Frage stellt sich mir. Wenn die Bezirksschornsteinfeger viel an Ihren handwerklichen Tätigkeiten verlieren sollten aufgrund von einem

Schornsteinfegerwechsel , dann ist der Katzenjammer natürlich hoch. Das gefällt natürlich dem deutschen Zentralverband der alles schön steuert mit der Politik 

ebenfalls nicht, allerdings sehe ich dann aber die erneute Gefahr das gerade diese Burschen  neue hoheitlichen Tätigkeiten  für die

Bezirksschornsteinfger erfinden und diese der Poltik schmackhaft machen ,daß diese Aufgaben aus Sicherheitsgründen nur vom Bezirksschornsteinfeger

ausgeführt werden können und wieder gesetzlich abgesichert werden.

Dann stimmt die Kasse wieder und das ist letztendlich das Ziel.

Dieses Gewerbe hat nie gelernt sich am freien Markt bis dato zu behaupten , darum wird es alle Hebel in Bewegung setzen gesetzlich sich die Aufgaben und

Gebühren zu sichern, um weiterhin zu überleben ,daß ist allen im Hintergrund bewußt . Und so lange unsere Politiker diesen Nonsons glauben was Ihnen die

Kaminfegerlobby vorsagt wird sich an dem vorhandenen System nichts ändern. ( Zum Schluß muß auch noch der Gartengrill auf Emisionswerte gemessen werten )

Es ist daher sehr wichtiger noch bis zum Stichtag 31.12.2012 alles klar zu machen  zu unseren Gunsten . Der Dampfer fährt auf Volldampf und ist gut auf Kurs.

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Re: Was wird nach 2012 aus den Schornsteinfegern?
« Antwort #10 am: 18.03.12, 22:42 »
Haben wir schon den 1. April?
Ich meine, das wäre doch zu schön, um wahr zu sein,
denn:

In § 2 SchfHwG heisst es aber: "Die Durchführung dieser Arbeiten darf nur durch Betriebe erfolgen, die mit dem Schornsteinfegerhandwerk in die Handwerksrolle eingetragen sind 

Wird den Heizungsfirmen damit der Eintrag in die Handwerksrolle auch garantiert?

Oder hat MB500SL recht, dass die Lobby schon was Neues für die Feger als Geldquelle in der Hinterhand hat?
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Gerd aus Strausberg

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Re: Was wird nach 2012 aus den Schornsteinfegern?
« Antwort #11 am: 19.03.12, 11:45 »
… Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) und der Zentralinnungsverband des Schornsteinfeger-Handwerks (ZIV) unterzeichneten Ende 2009 eine Verbändevereinbarung, die als Grundlage für ein bundeseinheitlich geordnetes Verfahren zur Gewerbeausübung im jeweils anderen Gewerk dient…

… Als Teilbereiche des Schornsteinfeger-Handwerks sind für Installateur und Heizungsbauer folgende
Tätigkeiten vorgesehen:

- Messen und Feststellen von Werten zum Immissionsschutz an Feuerstätten
- Mess- und Überprüfungstätigkeiten an Feuerstätten
- Kehr, Überprüfungs- und Messtätigkeiten an Feuerungsanlagen …


… Installateure und Heizungsbauer können mit einer entsprechenden Handwerksrollen-Eintragung mit dem Schornsteinfeger-Handwerk (Teileintrag) ihr Tätigkeitsspektrum ab dem 31.12.2012 (bis dahin gilt weiter das Kehrmonopol des Bezirksschornsteinfegers) um die oben genannten Bereiche ausweiten und somit ihren Kunden weitere Leistungen aus einer Hand anbieten. Insbesondere Überwachungsaufgaben nach 1. BImSchV können den Kunden dann mit angeboten werden…

Quellen:
http://www.wasserwaermeluft.de/b2a/fachbesucher/installateur-u-heizungsbauer/recht/details.html?tx_wwlartikel_pi1[tx_wwlartikel_artikel]=2506&tx_wwlartikel_pi1[backPid]=103

http://www.tga-fachplaner.de/Verbaendevereinbarung-ueber-Taeti,L0FSVFZJRVdERVRBSUw_QUlEPTI2OTY1OSZSTlI9MyZSQ09VTlQ9MTgmU1RZTEVJRD0yOTI2MzImRklMVEVSPTEwMDQwMywxMDA0MDQsMTAwNDA4LDEwNDc0NCZGSUxURVI1PTEwNjg1NCZTT1JUPTAxJk1JRD0xMDc5NTk.html

http://www.bdew.de/internet.nsf/id/DE_Verbaendevereinbarung-zwischen-Heizungshandwerk-und-Schornsteinfeger

http://www.baulinks.de/webplugin/2009/2172.php4

Jetzt Amtlich: Der SHK-Speziallist darf Messen!

Quelle:
http://www.sbz-monteur.de/2010/01/27/jetzt-amtlich-der-shk-speziallist-darf-messen/
« Letzte Änderung: 19.03.12, 12:02 von Gerd aus Strausberg »

ragniter

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Re: Was wird nach 2012 aus den Schornsteinfegern?
« Antwort #12 am: 19.03.12, 13:03 »
hallo zusammen. verstehe ich das jetzt richtig? ich kann also meinem Heizungsmeister wie immer im januar die heizung warten und messen lassen, ohne das 2 tage später der BSFM kommt und noch einmal misst und auch nochmal kassiert? das zählt dann als abgehakt? Wenn ja, glaub ich es nicht :-)))))))

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Re: Was wird nach 2012 aus den Schornsteinfegern?
« Antwort #13 am: 19.03.12, 17:56 »
Ja, ich glaub' es ebenfalls kaum.
Auf jeden Fall danke ich 'Gerd aus Strausberg' für die genaueren Recherchen.
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Re: Was wird nach 2012 aus den Schornsteinfegern?
« Antwort #14 am: 19.03.12, 18:15 »
Soweit die Theorie.

Aber vergessen wir nicht, dass es zum Einen noch den Feuerstättenbescheid gibt. Die Wartung der Heizung darf somit nicht etwa dann erfolgen, wenn z.B. gerade keine Heizperiode ist. Der Bezirks-Fürst der Fegerinnung hat ja zuvor einen willkürlichen Zeitraum ausgewürfelt und amtlich bestimmt. Daher darf der fortgebildete Heizungsmonteur zwar alles in einem Rutsch erledigen, aber nur nach Fegers Vorgaben.

Zum Anderen muss dann ja noch das Formblatt fristgerecht an den Bezirksaufseher eingereicht werden. Wetten, dass es nicht selten vorkommen wird, dass der Bezirks-Häuptling dann irgend einen Fehler findet. Vielleicht ist die Unterschrift nicht lesbar oder ein Kreuzchen nicht genau im vorgesehenen Kästchen. Und wetten, die Aufsichtsbehörden werden sich fast geschlossen auf die Seite ihrer Bezirks-Handwerker-Behörde schlagen und gnadenlos jeden Formfehler zu einer Ersatzvornahme mit Zwangsbesuch des Bezirksinhabers nutzen?

Unsinn bleibt Unsinn, auch wenn sich ab 2013 mehr Personen um den Kuchen streiten dürfen.
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