copyright: WDR - Westpol, 2003
TV-Sendung: 02.03.03
www.wdr.de




Schornsteinfegermonopol

für Westpol: 02.03.03/Michael Wortmann

Bericht: Mathea Schülke

Anmoderation:
Eigentlich gelten Schornsteinfeger ja als Glücksbringer, aber immer mehr Hausbesitzer sehen rot, wenn sie es mit der schwarzen Zunft zu tun haben. Denn die wacht in der ganzen Republik penibel über ihr profitables Kehrmonopol. Das garantiert ihr seit 1935 Arbeit in festen Bezirken, zu festen Preisen. Konkurrenz und Wettbewerb müssen die Kaminfeger nicht fürchten. Sehr ärgerlich finden das viele Kunden. Für sie sind die Dienste der Schornsteinfeger zum Teil überflüssig und viel zu teuer. Doch sich zu wehren ist schwer, denn die Lobby der Schornsteinfeger ist stark und gut organisiert:

Maz-Text:
Er ist der Herr der Schornsteine, hier auf den Dächern von Düsseldorf-Unterbilk. Wie andere Kaminfeger auch hat Andreas Ehlert seinen festen Kehrbezirk, der ihm vom Regierungspräsidenten zugewiesen wurde. Hier fegt er seit acht Jahren die Schornsteine. Ob die Hausbesitzer das wollen oder nicht, er kommt unaufgefordert, mindestens einmal im Jahr. Er kontrolliert auch die Heizungsanlagen, den Brenner und die Abgaswerte. Dafür kassiert er staatlich festgelegte Gebühren, je nach dem wie lange er braucht zwischen 40-60 Euro. Dass nur er diese Arbeit machen darf, keine Konkurrenz hat, findet er völlig in Ordnung:

O-Ton (Andreas Ehlert; Bezirksschornsteinfegermeister)
"Vorbeugender Brandschutz, Umweltschutz, Gesundheitsschutz sind Aufgaben des Staates. Der Gesetzgeber hat dem Schornsteinhandwerk diese Aufgabe übertragen, weil durch die Einrichtung fester Kehrbezirke auf besonders einfache und verwaltungsarme Art und Weise diese zwingend notwendige, unumstritten notwendigen Tätigkeiten vor Ort bei jedem Bürger durchgeführt werden können." (20)

Elmar Conin ist so ein Bürger, Hausbesitzer in Burscheid. Doch das Kehrmonopol findet er so ärgerlich, dass er mit Gleichgesinnten dagegen kämpft. Den Schornsteinfeger läßt er nicht mehr ins Haus und aufs Dach, denn seine Dienste hält er schlicht für überflüssig:

O-Ton (Elmar Conin; Interessengemeinschaft gegen das Schornsteinfegermonopol/Hausbesitzer)
"Weil heute moderne Heizungsanlagen nicht mehr rußen dürfen und dementsprechend auch kein Ruß mehr anfällt. Deswegen braucht auch kein Schornsteinfeger mehr einen Schornstein zu reinigen. Und außerdem(...)wenn ich ein Wartungsunternehmen beauftrage mit der Wartung und der Messung der Heizung, dann braucht nicht ein Schornsteinfeger noch mal kommen und eine Doppelmessung machen."(22)

Doch das sieht Bezirksschornsteinfegermeister Ehlert ganz anders

O-Ton (Andreas Ehlert; Bezirksschornsteinmeister) "Die Tätigkeit des Schornsteinfegerhandwerks werden deshalb durchgeführt, weil es Sinn macht, dass von neutraler Seite Feuerungsanlagen überprüft werden." (6)

Sicherer werden sie dadurch nicht, meint Elmar Conin. Ihn ärgert vor allem, dass er die Dienste eines Schornsteinfegers, den er nicht bestellt hat und auch nicht braucht, so teuer bezahlen muss:

O-Ton (Elmar Conin, Interessengemeinschaft gegen das Schornsteinfegermonopol/Hausbesitzer)
"Beim letzten Besuch, da war er 16 Minuten hier und hat dafür 54 Euro verlangt und im Vergleich zum Tüv, wo ich 72 Euro bezahlt habe, für zwei Stunden Arbeit, ist das in meinen Augen überzogen." (12)

Seine letzte Rechnung hat Conin nicht beglichen. Nun hat er zwei Mahnungen vom Ordnungsamt bekommen. Und wenn er den Schornsteinfeger weiterhin nicht reinläßt, muß er damit rechnen, dass die Polizei den Einlass erzwingt.

Fegen unter staatlichem Schutz, in festen Gebietsmonopolen - für die FDP im Düsseldorfer Landtag ein Unding:

O-Ton (Gerhard Papke, wirtschaftspol. Sprecher FDP)
"Dieses Gebietsmonopol der Bezirksschornsteinfeger ist ein planwirtschaftliches Relikt aus der industriellen Steinzeit und das gehört schnellmöglichst abgeschafft."

(Reporterfrage: Warum?)

"Es kann ja nicht sein, dass Hauseigentümer verpflichtet werden, einen bestimmten Anbieter und dann auch noch zu staatlich festgelegten Preisen zu nehmen. Wir brauchen in dem Bereich mehr Wettbewerb, damit die Preise gesenkt werden können."

Doch die Kaminkehrer sind dem Landeswirtschaftsministerium unterstellt. Das will zwar dafür sorgen, dass die Schornsteinfeger servicefreundlicher werden,
sich an die veränderten technischen Bedingungen anpassen und zum Beispiel nur dann fegen, wenn auch gefegt werden muß. Aber am Kehrmonopol soll nicht gerüttelt werden.

Dennoch: der Druck auf die Schornsteinfeger von Kunden und Politikern wächst. Eine Liberalisierung des Marktes scheint daher auf lange Sicht unausweichlich. Und dann müßte sich auch Andreas Ehlert die Arbeit auf den Dächern hier mit Konkurrenten teilen.

Insertliste:

Beitrag: Mathea Schülke
Kamera: Ulrich Witthoff
Schnitt: Alejandro Machado

00:37" Andreas Ehlert; Bezirksschornsteinfegermeister
01:13" Elmar Conin; Interessengemeinschaft gegen das Schornsteinmonopol/(oder Hausbesitzer)
01:43" Andreas Ehlert
02:01" Elmar Conin
02:35" Gerhard Papke, FDP, wirtschaftspolitischer Sprecher

Länge: 03:35"





HOME

Joachim Datko e-mail
93055 Regensburg
Cecilie-Vogt-Weg 9