Schornsteinfegen vor zahlreichen ZuschauernChinesische Freunde wurden gestern bei Schlüters in der Gutenbergstraße Zeugen des Kehrtermins. Keine BeanstandungenWERNE: Was werden die chinesischen Gäste, die gestern bei Clemens Schlüter weilten, ihren Verwandten daheim über Schornsteinfegerbesuche in Deutschland erzählen? Dass bei Kehrungen Fernsehteams und andere Pressevertreter dabei sind? Dass in dem Land im fernen Europa deren Arbeit unter Behördenaufsicht erfolgt und dass ein Rechtsanwalt dem schwarzen Mann auf die Finger – genauer gesagt auf den Kehrbesen – schaut?Der Hausherr wird sicherlich seine Gäste über den Grund der gestrigen Veranstaltung aufgeklärt haben. Die kam, wie bereits berichtet, auf Druck des Kreises Unna zustande. Da sich der Gastgeber nach jahrelangem Streit mit dem Schornsteinfeger schließlich weigerte, diesen in sein Haus zu lassen, ordnete die Behörde die Kehrung an. Erst nachdem die Konten von Clemens Schlüter wegen nicht bezahlter Strafgelder gepfändet wurden, einigten sich der Hausherr mit Stadt und Kreis auf den gestrigen Kehrtermin. Die beiden Schornsteinfegermeister Helmut Müller und Stefan Melchers, die in Begleitung von Ulrich Peuckmann vom Kreis-Ordnungsamt die Gastherme kontrollieren und den Außenkamin kehren wollten, wirkten denn schon ein wenig erstaunt, als sie an der Eingangstür nicht nur vom Hausherrn, sondern von einer stattlichen Anzahl von „Besuchern“ samt Fotografen und WDR-Kameraleuten empfangen wurden. Dass die schwarzen Männer im Haus in der Gutenbergstraße nicht gerade willkommen sind, hatte Clemens Schlüter bereits auf Schildern und Plakaten in seinem Vorgarten deutlich gemacht (Beispiel: „Begriffe aus der Geschichte: Spitzel, bekehren, anschwärzen.“). Und auch auf der Türschwelle klagte er über „Hausfriedenbruch“. Der Besuch der Schornsteinfeger, die sich wie alle Gäste bei Schlüters nach japanischer Sitte – Ehefrau Ryoko ist Japanerin – die Schuhe ausziehen mussten, fand unter Beteiligung der Gäste seine Fortsetzung. Die Folge: Bei Schlüters im Heizungskeller wurde es für kurze Zeit ziemlich eng. Das Ergebnis der Untersuchung fiel für den Hausherrn positiv aus, Schornsteinfegermeister Melchers attestierte hervorragende Werte. Für den Eigentümer nicht verwunderlich, denn ein Heizungsbauer nimmt regelmäßig Messungen vor. Auch beim Außenkamin, den die Kehrer nur vom Dach aus reinigen durften, gab es keine Probleme, den hat Clemens Schlüter aus gesundheitlichen Gründen nie in Betrieb genommen. Der gestrige Termin bedeutet nicht das Ende der Auseinandersetzung. Vor dem Verwaltungsgericht klagen die Schlüters auf Zuweisung eines anderen Schornsteinfegermeisters. Helmut Müller selber zeigte sich gestern angesichts des Aufwandes erstaunt: „Das habe ich in meinen 37 Arbeitsjahren noch nicht erlebt“, sagte er.. hal |