Autor Thema: Wildern im anderen Bezirk  (Gelesen 4435 mal)

ragniter

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Wildern im anderen Bezirk
« am: 25.04.12, 15:21 »
Nachstehend ein Beitrag, den ich auf der Schornsteinfegerseite gelesen habe. Das liest sich nicht nach "Kollegialität unter den Schonies!

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Hallo zusammen,

ich hatte heute morgen in unserer Firma ein Gespräch mit einem BSF. Ich hab ihn einfach mal höflich und neugierig auf das Jahr 2013 angesprochen. Vor allen Dingen in Bezug auf gegenseitige Konkurrenz in den einzelnen Bezirken. Seine Antwort hat mich etwas überrascht! Ich geb das mal aus dem Gedächtnis wieder:

"Wenn ich merke, dass sich Kunden an einen Freien Schornie wenden, hab ich (der BSF) kein Problem damit in andere Bezirke zu gehen. Da ist mir doch das Hemd näher als die Hose. Ich hab auch eine Verantwortung für meine Familie und meinen Gesellen...."

Uupps, das hörte sich nicht nach "keiner wildert im anderen Bezirk" an! Aber ganz ehrlich finde ich es gut für die "Kundschaft" :-)))

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Tja, dem ist nichts mehr hinzuzufügen :-)))

TWMueller

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Re: Wildern im anderen Bezirk
« Antwort #1 am: 26.04.12, 01:24 »
Es wird beim Schornsteinfeger-SONDER-Recht nicht anders sein, als bei einem Staudamm, der einen ersten, kleinen Riss hat. Wasser sickert ein, Temperaturschwankungen erweitern den Riss, mehr Wasser dringt ein, der Schaden wird größer und größer bis irgendwann der Damm bricht.

Es ist der EU zu verdanken, dass die Sonderstellung deutscher Schornsteinfeger, die ja angeblich HANDWERKER sein wollen, so nicht länger zu halten war. Das Rettungsgesetz (SchfHwG) aus 2008 ist juristisch mehr als zweifelhaft, widersprüchlich und angreifbar. Und wenn ab 2013 für die handwerklichen Tätigkeiten der Schornsteinfeger endlich die Marktbeschränkungen fallen, wird sich zweifelsfrei ein Gegeneinander der Feger ergeben.

Was die scheinbar geschlossene Fegerfront nämlich noch gar nicht so recht berücksichtigt hat, sind die Meister, die keinen eigenen Bezirk haben. Diese werden den Kehrbezirks-Fürsten als Erstes richtig Konkurrenz machen. Denn ab 2013 ist eben keine Bestellung zum Bezirks-Aufseher mehr nötig, um einen zugelassenen Handwerksbetrieb führen zu dürfen, der Meisterbrief genügt. Und neue Marktteilnehmer bringen Bewegung in die erstarrten Strukturen. Die bezirksfreien Feger-Betriebe werden schnell feststellen, dass sie sogar einen Vorteil haben. Sie brauchen sich nicht mit Kehrbuch und Rechtsmitteln gegen Verwaltungsakte herumschlagen. Sie können sich die Rosinen heraussuchen und mit marktgerechten Angeboten die interessantesten Kunden ansprechen.

Die Bezirks-Feger werden dann natürlich kontern müssen. Und schon fängt das Hauen und Stechen an. Und der Riss wird größer und größer. Und sobald der Wettbewerb eingesetzt hat, wird auch die Politik nicht mehr umhin kommen, die Feger-Schutz-Gesetze zu überdenken. Man wird halt sehr schnell feststellen, dass es so, wie im SchfHwG erträumt, praktisch nicht funktioniert. Die Rolle der HOHEITLICHEN Aufsicht wird zwangsläufig von der des GEWERBLICHEN Handwerkers zu trennen sein. Und dann bricht der Damm, dann ist dieses Protektionsgesetz schlicht nicht mehr zu halten.

Und spätestens, wenn die Trennung von BEHÖRDE und GEWERBE gesetzgeberisch ansteht, wird auch deutlich sichtbar, dass der Bund für den Regelungsbereich "Sicherheit von Feuerstätten" keine Gesetzgebungskompetenz nach Grundgesetz hat. Also sind neue Gesetze auf Landesebene erforderlich. Hierbei wird jedoch die Ausnahmestellung des Berufs "Schornsteinfeger" nicht länger haltbar sein. Kein Abgeordneter wird eine sinnvolle Begründung dafür angeben könenn, warum z.B. eine "Bauabnahe" nicht auch von viel besser aufgebildeten Bauingenieuren oder Sachverständigen erfolgen kann.

Der Dammbruch im Schornsteinfeger-SONDER-Recht hat bereits begonnen. Je mehr Bürger sich über die verfassungswidrige Gesetzgebung aufregen und die unklare Zwitter-Rolle der Bezirks-Schornsteinfeger kritisieren, um so schneller werden die ersten Risse im Damm des schwarzen Männer erweitert. Je mehr Hauseigentümer ab 2013 tatsächlich die Möglichkeiten des offenen Markts nutzen, um so schneller wird der Konkurrenzkampf entfacht. Je mehr Rechtsmittel die BSF als Bezirks-Verwalter bearbeiten müssen, um so eher wird ein Gericht diese rechtswidrige Doppelfunktion kippen. Der Damm wird brechen, wir Bürger können diesen Prozess zudoch beschleunigen.

Informieren auch SIE daher Ihre Nachbarn, Freunde und Bekannte über die Möglichkeit, ab 2013 einen freundlichen und preisgünstigen Schornsteinfeger selbst beauftragen zu können. Helfen SIE mit, aus einem Monopol einen Markt zu machen. Und wenn die hoheitlichen Tätigkeiten der BSF nicht dem Verwaltungsrecht entsprechen, nutzen SIE die Möglichkeiten der Rechtsmittel. Hauen auch SIE den Nebenerwerbs-Behörden namens "Bezirks-Schornsteinfeger" die Paragrafen um die Ohren.

Und vergessen Sie nicht, auch öffentlich durch Leserbriefe oder Schreiben an die Politik einzuforden, hoheitliche Aufgaben und wirtschaftliche Interessen endlich auch bei den Schornsteinfegern strikt zu trennen.

Sicherheit ja, aber mit angemessenem Aufwand und ohne Berufsprotektion. Ein Schornsteinfeger-Schutz-Recht braucht Deutschland schon lange nicht mehr.
« Letzte Änderung: 26.04.12, 01:30 von TWMueller »
Thomas W. Müller
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Re: Wildern im anderen Bezirk
« Antwort #2 am: 15.05.12, 08:41 »
Mich beschäftigt die Frage, wo finde ich jetzt ein Angebot eines anderen - als den bisherigen- Schornsteinfegers? Habe ich die Möglichkeit, den Preis frei auszuhandeln? Auf meine Anfrage beim bisherigen Schornsteinfeger wurde mir mitgeteilt, die Abrechnung richte sich nach der jeweils gültigen Rechtslage - was immer das in Euro bedeuten soll - und er nannte einen Preis für 2013. Ein Kampfangebot war das nicht.
« Letzte Änderung: 15.05.12, 11:01 von Datko »

Datko

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Re: Wildern im anderen Bezirk
« Antwort #3 am: 15.05.12, 11:05 »
Mich beschäftigt die Frage, wo finde ich jetzt ein Angebot eines anderen - als den bisherigen- Schornsteinfegers? Habe ich die Möglichkeit, den Preis frei auszuhandeln? Auf meine Anfrage beim bisherigen Schornsteinfeger wurde mir mitgeteilt, die Abrechnung richte sich nach der jeweils gültigen Rechtslage - was immer das in Euro bedeuten soll - und er nannte einen Preis für 2013. Ein Kampfangebot war das nicht.

Sie können für einen Teil der Schornsteinfegertätigkeiten einen freien Schornsteinfeger beauftragen. Den Bezirksschornsteinfeger werden Sie nicht ganz los.

Zur Suche können Sie z.B. unser Forum www.freie-schornsteinfeger-wahl.de benutzen.

« Letzte Änderung: 15.05.12, 11:16 von Datko »
Joachim Datko - Ingenieur, Physiker
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Re: Wildern im anderen Bezirk
« Antwort #4 am: 15.05.12, 22:50 »
Auf meine Anfrage beim bisherigen Schornsteinfeger wurde mir mitgeteilt, die Abrechnung richte sich nach der jeweils gültigen Rechtslage - was immer das in Euro bedeuten soll - und er nannte einen Preis für 2013. Ein Kampfangebot war das nicht.

Also entweder hat der BSF keine Ahnung von der Rechtslage oder er versucht, seine "Kunden" bewußt zu täuschen.

Per 01.01.2013 tritt das ALTE Scornsteinfegergesetz (SFG) endgültig und komplett außer Kraft. Damit endet auch die PREISBINDUNG für handwerkliche Leistungen. Für alle Kehrarbeiten und handwerklichen Kontrollen gelten somit ab 2013 die NORMALEN Regelungen für Wirtschaftsbetriebe. Der Anbieter macht ein Angebot, der Kunde KANN dieses annehmen oder auch verhandeln.

Gerade weil ab 2013 auch alle Schornsteinfeger-MEISTER, die keinen eigenen Bezirk haben, als zusätzliche Anbieter in den Markt kommen, wird sich nach kurzer Umstellungszeit innerhalb der Bevölkerung mit Sicherheit auch an der Preisfront etwas bewegen. Arbeitswerte und pauschale (gesetzliche) Rechnungsbeträge wird es ab 2013 NICHT mehr geben. Der "Handwerker" (Schornsteinfeger) hat vielmehr ganz normal NACH ARBEITSZEIT abzurechnen. Die Anlage A zur KÜO ist ab 2013 nicht mehr anzuwenden.

Gerade weil somit im nächsten Jahr Bewegung in diesen Monopol-Markt kommen wird, kann jedem Hauseigentümer nur abgeraten werden, jetzt bereits Serviceverträge für die Zukunft abzuschliessen. Wer dennoch aus Bequemlichkeit seinen ortsansässigen Schornsteinfeger beauftragen will, sollte darauf achten, dass im Vertrag ein KLARER STUNDEN-SATZ angeführt ist. Ansonsten überläßt man es dem Handwerker in weitem Spielraum den Preis selbst festzusetzen. Er wird im Streitfall immer behaupten können, andere SF würden diesen Preis auch in Rechnung stellen. Also: Nur KLARES ist WAHRES !!!
« Letzte Änderung: 15.05.12, 22:54 von TWMueller »
Thomas W. Müller
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