Autor Thema: Hohe Rechnung für Feststoffmessung... Schornsteinfeger droht mit Vollstreckung  (Gelesen 24221 mal)

FlyByWire

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Hallo,
ich habe folgende Rechnung für eine Feststoffmessung bekommen.
Da der Schornsteinfeger das Gerät für die Messung nicht selber hatte, hat er einen zweiten Schornsteinfeger der das Ding hatte und bedienen konnte  gleich zur Messung mitgebracht. 15 Minuten Aufwärmzeit für das Gerät, 15 Minuten Messzyklus. Nach 40 Minuten waren die beiden wieder aus dem Haus.

FlyByWire

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Sehr geehrter Herr xxx,
ich habe Ihre Rechnung F-14-02752 erhalten und war sehr überrascht von der
Höhe der Gebühr. 
Laut KÜO Gebührenverzeichnis Ziffer 4.4.1, bin ich von 75,7 € + MwSt für die
Messung des Feststoffkessel ausgegangen.

Können Sie die berechneten Leistungen bitte aufschlüsseln?

Mit freundlichen Grüßen

yyy



Der Schornsteinfeger antwortete darauf wie folgt:

Sehr geehrter Herr yyy,

vielen Dank für Ihre Mail v. 05.12.2014.

Ich möchte Sie davon in Kenntnis setzen, dass es sich bei dem von Ihnen aufgeführten KÜO Gebührenverzeichnisses um ein veraltetes Verzeichnis handelt welches keinerlei Anwendung mehr im heutigen Tagesgeschäft findet.  Die Feststoffmessung ist an keine Gebührenordnung mehr gebunden und wird von jedem Schornsteinfeger selbst kalkuliert.

Mit freundlichen Grüßen

xxx
Bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger



Daraufhin habe ich mich hier im Forum schlau gemacht und folgenden Brief an den Schornsteinfeger geschrieben:

Sehr geehrter Herr xxx,

ich habe Ihre Rechnung F-14-02752 erhalten und war sehr überrascht von der Höhe der Gebühr. 
Laut KÜO Gebührenverzeichnis Ziffer 4.4.1, bin ich von 75,7 Arbeitseinheiten + MwSt für die Messung des Feststoffkessel ausgegangen.

Ich hatte Sie am 5.12.2014 gebeten die berechneten Leistungen aufschlüsseln.
Sie antworteten auf meine E-Mail am 7.12.2014 wie folgt:

Ich möchte Sie davon in Kenntnis setzen, dass es sich bei dem von Ihnen aufgeführten KÜO Gebührenverzeichnisses um ein veraltetes Verzeichnis handelt welches keinerlei Anwendung mehr im heutigen Tagesgeschäft findet.  Die Feststoffmessung ist an keine Gebührenordnung mehr gebunden und wird von jedem Schornsteinfeger selbst kalkuliert.

Leider haben sie es versäumt mich vor Ausführungder handwerklichen Tätitkeiten darauf hinzuweisen das diese Gebühr nicht mehr gilt. Nach Treu und Glauben musste ich deshalb davon ausgehen das eine Feststoffmessung ca. 80€  kosten wird. Nehme ich an das eine Anfahrpauschale noch dazu kommt, scheinen mir 90€ für einen Aufwand von weniger als einer Stunde für dir Durchführung der Festtoffmessung mehr als gerechtfertigt.

Wenn die KÜO keine Gültigkeit mehr für die nicht hoheitlichen Tätigkeiten des Schornsteinfegerhandwerks mehr hat, gilt die PAngV:

§ 1 PAngV - Grundvorschriften
(1) Wer Letztverbrauchern gewerbs- oder geschäftsmäßig oder regelmäßig in sonstiger Weise Waren oder Leistungen anbietet oder als Anbieter von Waren oder Leistungen gegenüber Letztverbrauchern unter Angabe von Preisen wirbt, hat die Preise anzugeben, die einschließlich der Umsatzsteuer und sonstiger Preisbestandteile zu zahlen sind (Endpreise).  ...
(3) Bei Leistungen können, soweit es üblich ist, abweichend von Absatz 1 Satz 1 Stundensätze, Kilometersätze und andere Verrechnungssätze angegeben werden, die alle Leistungselemente einschließlich der anteiligen Umsatzsteuer enthalten. Die Materialkosten können in die Verrechnungssätze einbezogen werden.

(6) Die Angaben nach dieser Verordnung müssen der allgemeinen Verkehrsauffassung und den Grundsätzen von Preisklarheit und Preiswahrheit entsprechen. ...

§ 5 PAngV - Leistungen
(1) Wer Leistungen anbietet, hat ein Preisverzeichnis mit den Preisen für seine wesentlichen Leistungen oder in den Fällen des § 1 Abs. 3 mit seinen Verrechnungssätzen aufzustellen. Dieses ist im Geschäftslokal
oder am sonstigen Ort des Leistungsangebots und, sofern vorhanden, zusätzlich im Schaufenster oder Schaukasten anzubringen. ...
 
Da ihre Rechnung nicht den Vorschriften der PAngV  entspricht und ich auch auf Ihrer Homepage kein Preisverzeicnis gefunden habe, werde ich nur den von mir erwarteten Betrag von 90€ überweisen.

Ich würde Sie bitten mir zukünftig einen Kostenvoranschlag für alle handwerklichen Tätigkeiten zukommen zu lassen bevor die Arbeiten ausgeführt werden.

Mit freundlichen Grüßen

yyy


FlyByWire

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Ich habe wie angekündigt 90€ überwiesen, deshalb wird nur der Restbetrag angemahnt.

Wie kann ich jetzt weiter vorgehen? Bin ich im Unrecht?

Für Tips und Ratschläge wäre ich dankbar...

Gruß


FlyByWire

Mürrischer Mieter

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Nicht nur, daß es sich bei diesem Schornsteinfeger um einen unfreundlichen Scheindienstleister handelt, der die neue Zeit nicht verstanden hat, er droht Ihnen auch noch frecht und dreist.

Merke: Für eine Vollstreckung braucht er erst einmal einen Titel. Hat er den?

Haben Sie den sogenannten Schornsteinfeger beauftragt?

Ist es klug, gegenüber einem Schornsteinfeger mit Argumenten wie Auszügen aus Gesetzen zu argumentieren? Sie werfen hier Perlen vor die ****.

Wer ist denn hier am Zug? Sie sind es nicht! Soll er doch vollstrecken, viel Spaß.

Es wird Zeit, daß solche Gaunerein der Schornsteinfeger - durch die Eigentümer und Mieter - zur Strecke gebracht werden.
Mit freundlichem Gruß

MM

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Hallo HR,
der Schornsteinfeger hatte telefonisch einen Termin mit mir abgesprochen. Dabei ist aber nie ein Wort über den Preis gefallen oder das die Gebührenordnung nicht mehr gilt.
Ich habe ja auch prinzipiell nicht gegen die Messung - nur gegen die Höhe der Rechnung und die Intransparenz... 140€ für bestenfalls 45 Minuten halte ich für völlig überzogen.
Was passiert denn wer der Schornsteinfeger eine Vollstreckung beantragt und die Sache vor Gericht geht? Braucht man da einen Anwalt oder trifft der Richter eine Entscheidung nach Aktenlage? Was können da für Kosten entstehen?
Wie würde sich denn Ärger mit den Aufsichtsbehörden gestalteten und welche Behörde ist das?

Gruß

FlyByWire

XXX

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Auf Wusch des Users XXX gelöscht.
« Letzte Änderung: 15.07.17, 09:14 von Datko »

Datko

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FlyByWire,
hatten Sie sich beim Bezirksschornsteinfeger wegen der Messung gemeldet oder hatte er sich gemeldet?
Joachim Datko - Ingenieur, Physiker
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Hallo Datko,
der Schornsteinfeger hat mich angerufen und mir mitgeteilt das er die Feststoffmessung durchführen will. Weil er das Messgerät nicht selbst besitzt hat er gesagt er kann es nur zu bestimmten Terminen von einem Kollegen leihen. Ich habe dann einen Termin direkt morgens bekommen und musste dann um 7:00 den Holzvergaser Kessel (Buderus S151 24KW) anheizen damit zum vereinbarten Messtermin alles Fertig ist. Gekommen sind dann zwei Schornsteinfeger, jeweils mit Laptop und einer hatte das Messgerät was erstmal  15 min aufheizen musste bevor dann die Messung erfolgte. Ein Loch ins Rauchrohr musste auch noch gebohrt werden, aber das hat nur 3 Minuten gedauert, weil ich den Schorni noch freundlicherweise mit einem Akkuschrauber versorgt habe.

Ich denke ich werde noch mal einen Brief schreiben und um Aufschlüsselung der Rechnung bitten deren Höhe ich gegenüber dem Stundensatz nach KÜO für überzogen halte.
Da 90€ ja bezahlt wurden habe ich ja schon guten Willen bewiesen... Es wurden 120AW in Rechnung gestellt... vielleicht versucht er für zwei Leute zu kassieren. Die dramatische Erhöhung gegenüber dem Satz nach KÜO nur zwei Jahre nachdem diese nicht mehr gilt hätte ich gerne mal erklärt bekommen. Die Messungen meines Gaskessels ( die übrigens zu anderen Terminen erfolgen) Kosten ja immer noch sehr ähnlich dem alten KÜO Satz.

Gruß FlyByWire

Datko

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Hallo Datko,
der Schornsteinfeger hat mich angerufen und mir mitgeteilt das er die Feststoffmessung durchführen will.

War zum Zeitpunkt des Anrufs die Zeit für die Durchführung der Messung, auf dem Feuerstättenbescheid, schon abgelaufen?
Joachim Datko - Ingenieur, Physiker
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FlyByWire

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@Datko: Der Holzvergaser wurde vorher noch nie gemessen. Laut Feurstättenbescheid soll alle zwei Jahre gemessen werden.
@HR: Wenn die KÜO Geschichte ist und es keine AW mehr gibt... Wieso werden dann 120 AW abgerechnet?



XXX

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Auf Wunsch des Users XXX gelöscht.
« Letzte Änderung: 14.07.17, 16:55 von Datko »

FlyByWire

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Ok, eine AW entspricht was? Einer Minute?

Die Schorsteinfeger waren exakt 41 Minuten im Haus. Vom Öffnen der Haustür bis zum Schließen der Haustür. Das könnte ich sogar beweisen.

Datko

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Ok, eine AW entspricht was? Einer Minute?

Die Schorsteinfeger waren exakt 41 Minuten im Haus. Vom Öffnen der Haustür bis zum Schließen der Haustür. Das könnte ich sogar beweisen.

Beweisen ist immer gut, wenn Behörden ins Spiel kommen. Sie müssen sich entscheiden, ob Sie sich auf die Hinterbeine stellen oder klein beigeben.

Noch eine Frage, ist es sicher, dass die Person, die gemessen hat, ein Schornsteinfeger ist?

« Letzte Änderung: 18.01.15, 21:59 von Datko »
Joachim Datko - Ingenieur, Physiker
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So, das wird mein 2. Brief an den Schornsteinfeger...

Sehr geehrter xxx,

ich halte ihre Forderung für die erbrachte Leistung aus der Rechnung F-14-02752 für nicht gerechtfertigt – deshalb habe ich nur den unstrittigen Teilbetrag von 90€ überwiesen.

Wie der Rechnungsbetrag zustandekommt ist für mich nicht ersichtlich und sie haben bisher auch keinen Versuch unternommen dies zu erklären.

Sie verwenden zur Abrechung anscheinend noch die “Einzel AW“ Einheiten laut KÜO – die ja eigentlich  nicht mehr gilt. Zwar ist auf ihrer Rechnung trotzt dem kleinen * an derm Begriff „Einzel AW“ keine Erklärung auf der Rechnung zu finden um was es sich dabei handelt aber, wenn man „Einzel EUR“ von 126,00€ durch die 120 „Einzel AW“ teilt, kommt man auf 1,05€. Dies ist exakt  der Euro Betrag, der für einen einzelnen Arbeitswert z.B. auf ihrer Rechnung J-14-01598 für die Abrechnung der „hoheitlichen Gebühren“ des Feuerstättenbescheid angesetzt wurde.

Wenn Sie für die Feststoffmessung also einen Fixbetrag fordern, der sich aus einer bestimmten Anzahl AW ergibt, dann möchte ich gerne wissen warum die Festoffmessung plötzlich so erheblich arbeitsintensiver geworden ist. Der Gesetzgeber hatte laut letzter gültiger KÜO 75,7 AW  festgelegt. Sie stellen jedoch 120 AW in Rechnung … also fast 60% Aufschlag. Das ist wohl erklärungsbedürtig.

Wenn die Feststoffmessung jedoch nach tatsächlichem Aufwand berechnet wurde, dann frage ich mich wie die 120 AW zu den 41 Minuten korrelieren die Sie sich im Haus aufgehalten haben um die Messung durchzuführen.

Ohne eine schriftliche Erklärung ihrerseits werde ich keine weitere Zahlung in Betracht ziehen und ggf. eine gerichtliche Klärung abwarten.

Die  Mahngebühren von 10 € sind ebenfalls überzogen. Die Rechstsprechung ist hier zum Glück  sehr klar: Der tatsächliche Verzugsschaden darf nur Kosten für Dinge wie Papier oder Porto beinhalten. Manche Gerichte sind der Ansicht, dass 1,20 Euro ausreichend sind. Bereits fünf Euro je Mahnung halten die meisten Juristen für zu hoch.


Mit freundlichen Grüßen

FlyByWire

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@Datko:
Naja, den einen kannte ich ja aus den Vorjahren, das war der Bezirksschornsteinferger persönlich.
Der andere war anscheind der Kollege der das Messgerät für die Feststoffmessung besitzt.

Hatten beide schwarze Klamottten an... ;-)