Autor Thema: Sind Kostenangebote zu hoch? für Überprüfungsarbeiten  (Gelesen 8828 mal)

Günter will Frieden

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Hallo!
Um den freien Wettbewerb für Schornsteinfegerarbeiten zu nutzen, habe ich Angebote von Schornsteinfegerbetrieben in meiner näheren Umgebung erbeten.
Ich bin Miteigentümer eines Einfamilienhauses mit 2 Jahre alter neuer Gasbrennwertheizung. Nun stehen laut Feuerstättenbescheid bis Ende Juni wieder Überprüfungen der Abgaswege und der Abgasleitung an. Der für mich zuständige bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger (bBSF) konnte oder wollte mir in der Vergangenheit seine Kostenrechnungen nicht verständlich machen. Vor 2 Jahren war seine (erste) Rechnung nachweisbar fehlerhaft und deutlich zu hoch.

Deshalb, und sowieso, wollte ich mir in diesem Jahr Angebote anderer Schornsteinfeger einholen. Über Schornsteinfegersuche und "freie Schornsteinfeger" konnte ich kein Angebot bekommen - ich wohne ländlich in Niedersachsen. Trotz Grenznähe zu den Niederlanden scheint es mit dem freien Wettbewerb noch nicht gut zu stehen.
Daraufhin habe ich 4 Schornsteinfegerbetriebe, die Kehrbezirke in oder um das Kleinstädtchen haben, wo ich wohne, schriftlich um Angebote für die Überprüfungsarbeiten gebeten. Unter ihnen auch den für mich zuständigen bBSF.
 Der letztere hat mir fernmündlich mitgeteilt, er wolle mir kein Angebot machen, ich solle mir jemand anderen suchen.
Von den 3 anderen Schornsteinfegern habe ich Angebote erhalten. Die waren alle überraschend hoch.
Vor 2 Jahren habe ich für die gleichen Überprüfungen des bBSF 38,70 EURO bezahlt. Nun verlangen die anderen Schornsteinfeger rund 100 bis 109 EURO.
 Einer der angefragten Schornsteinfeger hat mir vorab am Telefon schon gesagt, dass bei ihm Extrakosten für die einmalige Datenaufnahme dazu kommen würden. Wie ich auf dem Kostenangebot sehen konnte, betragen die allein 35 EURO incl. MwSt.
Bei weiteren Aufträgen von mir in den nächsten Jahren würden diese Extrakosten entfallen, weil er dann meine Daten bereits in seinem System habe.
 Wie die anderen Schornsteinfeger es mit evtl. anfallenden Extrakosten handhaben, weiß ich noch nicht. Ein Kostenangebot war detailliert erstellt - da kann ich die Einzelheiten halbwegs nachvollziehen. Die beiden anderen Kostenangebote wiesen lediglich die insgesamt zu erwartenden Kosten aus.
Wer kann mir etwas zu dem angehängten Kostenangebot sagen? Was ist "berechtigt"? Was ist "unberechtigt"?
Ich kann bisher weder die Berechtigung der einzelnen Kostenpunkte in den Schornsteinfegerrechnungen, noch die Kostenpunkte in dem Angebot, noch die entsprechenden Regelungen in der KÜO (Kehr- und Überprüfungs-Ordnung) nachvollziehen. Bisher habe ich vergeblich versucht, das vom bBSF verständlich erläutert zu bekommen. Jegliches Nachfragen scheint der als ehrverletzend, Misstrauen und Zumutung zu empfinden.

Was kann ich tun, um ein faires Angebot für die Überprüfungen zu bekommen? Ich fühle mich (bedauerlicherweise) wie ein Bittsteller, der auf das Wohlwollen der Schornsteinfeger angewiesen ist. Ich bin schon (fast) froh, überhaupt Angebote bekommen zu haben.
Mich macht dies Übermaß an Ungerechtigkeit, sehr sauer. Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht!

Mit freundlichen Grüßen     Günter
« Letzte Änderung: 11.06.16, 20:40 von Datko »

Araym

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Die alte Kostenstruktur war darauf aufgebaut dass man von Haus zu Haus geht, die meisten Rechnungen bauen noch auf diesem System auf.
Dies fällt natürlich flach wenn man von weiter her anfahren muss.

Wo sonst 20-30 Leute angefahren werden, ist es bei Ihnen ein vereinzelter Termin.

Dadurch werden die Kosten in die Höhe getrieben.

Und wenn jemand ein Angebot schreibt, kann er verlangen was er will, am Ende liegt es am Kunden ob er dies annimmt
« Letzte Änderung: 11.06.16, 20:41 von Datko »

simba2003hobby

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Hallo,

haben Sie von einem Handwerker schon einmal solch ein Angebot erhalten? Ich nicht.  Ein Handerker würde Ihnen seinen Stundensatz und den voraussichtlichen Zeitbedarf mitteilen.

Schornsteinfegerarbeiten sind Arbeiten, die im Zusammenhang mit einem Grundstück stehen.

Sie haben, das ist meine persönliche Meinung, gemäß § 14 UStG einen Anspruch auf eine Rechnung die gesetzeskonform ist. Gemäß § 33 Abs. 2 UStDV  muß die Rechnung Art (=Tätigkeit) und Umfang (=Zeitaufwand) beinhalten. Wenn diese Angaben fehlen, ist die Rechnung gemäß § 125 BGB nichtig.

Ich würde die Arbeiten ohne Angebot ausführen lassen und dann die Rechnung, wenn sie nicht gesetzeskonform ist, nicht bezahlen. Der Schornsteinfeger wird es nicht wagen, den Rechnungsbetrag einzuklagen.

"Abgasweg" gibt es gemäß KÜO an einem Brennwertgerät nicht. An einem Brennwertgerät gibt es nur eine Abgasleitung. Laden Sie hierzu die KÜO herunter und vergewissern Sie sich selbst bei den Begriffsbestimmungen der KÜO.

MfG

simba 2003 hobby

simba2003hobby

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Hallo Araym,

ich gehe davon aus, daß Sie Schornsteinfeger sind und einen Bezirk haben. Demnach gehen Sie immer noch von Haus zu Haus und es fallen nur minimale Wegezeiten an.

Wenn jemand aus einem anderen Bezirk Sie haben will, dann muß er auch die zusätzlichen Wegezeiten tragen, das ist doch selbstverständlich.

Dann müssen Sie aber auch in Ihrem Angebot diese erhöhten Wegekosten dem Kunden mitteilen. Machen Sie das?

Sie können dem Kunden auch ein Pauschalangebot machen. Wenn der Kunde Ihr Angebot annimmt, dann muß er es auch bezahlen.  Das ändert aber nichts daran, daß Sie in der Rechnung Umfang und Art Ihrer Leistung  aufführen müssen (siehe § 14 UStG), sonst ist Ihre Rechnung nicht gesetzeskonform und damit nichtig.

Wenn der Rechnungsbetrag über 150 Euro liegt, dann müssen Sie den Kunden in der Rechnung auch auf die zweijährige Aufbewahrungspflicht hinweisen. Tun Sie dies nicht , muß der Kunde überhaupt nichts bezahlen.

Die Praxis sieht so aus:

Der Kunde findet an seiner Haustüre oder anderswo einen Zettel mit der Überschrift: "Ihr Schornsteinfeger kommt". Zum angegebenen Zeitpunkt kommt dann der Schornsteinfeger und verschafft sich Zutritt zur Feuerungsanlage, ohne daß eine Preisverhandlung stattgefunden hat. Damit gilt die ortsübliche Vergütung als vereinbart und Sie können keine Pauschalen abrechnen. Ortsüblich ist in meiner Gegend z.Zt. 60 Euro einschl. Mehrwertsteuer.

Die Vorschriften des § 14 UStG sind immer dann zu beachten, wenn die Leistungen eines Handwerkers im Zusammenhang mit einem Grundstück erbracht werden. Zum "Grundstück" gehört umsatzsteuerrechtlich alles, was im und ums Haus und auf dem Grundstück umsatzsteuerpflichtig geleistet wird.

MfG

simba2003hobby

simba2003hobby

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Hallo Günter will Frieden,

mich würde, wegen der kürzlich erfolgten Begehung des SF, wie folgt interessieren:

1. Wie hat der SF das „innere Rohr/Verbindungsstück“ gereinigt/geprüft?

2. Wie hat der SF die im ehemaligen Schornstein verlegte Abgasleitung kontrolliert?

3. Wie setzt sich der Betrag von 109 Euro zusammen?

Gemäß des bis 31.12.12 geltenden Gebührenverzeichnisses der KÜO, hätte der SF wie folgt berechnen dürfen:

Grundwert für Abgaswegüberprüfung lt. 1.1.2 der KÜO = 3,5 Minuten, zzgl. Arbeitsgebühr für Abgaswegüberprüfung für raumluftunabhängige Gasfeuerstätte lt. 3.4 der KÜO = 18,9 Minuten, zzgl. Fahrtkosten außerhalb der KÜO = 30 Minuten ergibt insgesamt 52,4 Minuten x 1,05 Euro/Minute lt. KÜO x 1,19 MwSt ergibt 65,47 Euro.

In diesen 65,47 Euro ist, gemäß KÜO, die Wegzeit vom Fahrzeug zur Feuerstätte und zurück, die CO-Messung, die Überprüfung der Verbrennungslufteinrichtungen, die Ausstellung der Bescheinigung, die Ringspaltmessung und die, außerhalb der KÜO zu berechnende Fahrtzeit, enthalten.

Wenn die 109 Euro vorab vereinbart wurdenh, muß die Rechnung beglichen werden.

MfG

simba2003hobby

XXX

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Der Eintrag wurde auf Wunsch des Users XXX gelöscht.
« Letzte Änderung: 14.07.17, 13:28 von Datko »

Günter will Frieden

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Hallo XXX (Beiträge von XXX auf Wunsch des Users XXX gelöscht.), und hallo an alle anderen Interessierten,

mit Hilfe des Meinungsaustausches in diesem Forum habe ich den Weg gefunden, weiter zu gehen. Vielen Dank dafür!

Ich habe inzwischen die Überprüfungsarbeiten in Auftrag gegeben, sie wurden durchgeführt, und die erwartete Rechnung habe ich auch bereits erhalten.
Ich werde die Rechnung rechtzeitig und komplett bezahlen.

Allerdings bin ich mit der Verpflichtung, diese Überprüfungen durchführen zu lassen, ganz und gar nicht einverstanden. Und dass ich für mich nur die Wahl sah, von vier erhaltenen, schlechten Preisangeboten, die am wenigsten schlechte zu wählen, finde ich ärgerlich!

Ich habe den SF für die Überprüfungen ausgewählt, der die detaillierteste Kostenaufstellung gemacht hat, und der mir zugesagt hat, dass die "einmaligen Kosten" für die "einmalige Datenaufnahme" nur diesmal anfallen. Falls ich ihn in den nächsten Jahren erneut beauftragen sollte, entfallen also diese Kosten.
Ich habe mich damit in eine gewisse Abhängigkeit begeben. Oder anders betrachtet: ich spekuliere.

Diesmal habe ich 109,71 EURO zu bezahlen. In zwei Jahren könnten es dann ca. 35 EURO weniger sein (die Kosten der "einmaligen Datenaufnahme").

Bei "meinem" bBSF, der mir auf Druck doch noch ein Preisangebot gemacht hat, hätte ich 91,24 EURO (in bar wollte er es bezahlt haben!) für die Überprüfung berappen sollen.
 Die anderen Angebote, die ich erhalten hatte, lagen bei 99 EURO und 100 EURO plus/minus 10 %.
Es ist ein Dilemma, solchen Voraussetzungen ausgeliefert zu sein.

Ich will mit dieser Überprüfung und der zugehörigen Rechnung erst mal "meinen Frieden" machen. Also Rechnung bezahlen und mit dem entsprechenden SF in Frieden bleiben. Denn mit diesem SF, wie auch mit dem ausführenden SF-Gesellen, war der Kontakt konstruktiv und freundlich.

Ich kann mir vorstellen, dass nun der Eine oder die Andere die Stirn runzeln. Kann ich verstehen.
Doch ich kämpfe weiter: vielleicht an das Bundeswirtschaftsministerium schreiben, an das Wirtschaftsministerium des Bundeslandes......
Was kann man, was können wir weiter tun, um gegen diese unnötigen "Schornsteinfegerarbeiten" vorzugehen?

Mir ist ganz deutlich:
1.Es gibt keinen funktionierenden Wettbewerb für "frei" zu vergebende Schornsteinfegertätigkeiten.
2.Wer kritischer "Zwangskunde" der SF ist, und sich evtl. sogar von "seinem" bBSF abwenden will, muss mit extra hohen Preisen/Kosten für seine "frei" zu vergebenden SF-Arbeiten rechnen.
3. Es liegt nahe, dass die SF im gegenseitigen Austausch sind, gerade wenn es um "unbequeme Kunden" geht.

Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht!

Mit freundlichen Grüßen     Günter
« Letzte Änderung: 08.07.17, 11:18 von Datko »

Günter will Frieden

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Hallo Günter will Frieden,

mich würde, wegen der kürzlich erfolgten Begehung des SF, wie folgt interessieren:

1. Wie hat der SF das „innere Rohr/Verbindungsstück“ gereinigt/geprüft?

2. Wie hat der SF die im ehemaligen Schornstein verlegte Abgasleitung kontrolliert?

3. Wie setzt sich der Betrag von 109 Euro zusammen?

[.........]

Wenn die 109 Euro vorab vereinbart wurdenh, muß die Rechnung beglichen werden.

MfG

simba2003hobby

Hallo simba2003hobby,

zu deinen Fragen:

1. Der SF hat das "innere Rohr/Verbindungsstück" überprüft, indem er einen Messfühler in das innere Rohr/Verbindungsstück eingeführt, und zugleich einen zweiten Messfühler in das äussere Rohr/Zuluftrohr eingeführt hat. Dann hat er bei laufender Heizung gemessen, was in innerem und äusserem Rohr zu messen war. Die Werte waren anscheinend in Ordnung. Ich vermute - und die später angegebenen Messergebnisse scheinen das zu bestätigen - dass die Verbrennung der Heizung, die Abgaswerte und die Zuluftwerte okay sind. Das zeigt vermutlich auch, dass der Abgasweg in Ordnung ist (frei, wo er frei sein soll, und dicht, wo er dicht sein soll).
Zudem hat er anscheinend eine Sichtprüfung der Heizung und des Abgasweges vorgenommen, und mit einem Messgerät die Gasdichtheit der Heizung geprüft.

Ich denke, dass bei einer Gasbrennwertheizung normalerweise keine Reinigung des Abgasweges nötig und vorgesehen ist. Auch im Feuerstättenbescheid steht nur etwas von "Überprüfung" der Abgasleitung und des Abgasweges.
Eine Reinigung käme vermutlich nur in Betracht, wenn die Heizung eine "Störung" anzeigen würde, oder falls die Messung am Abgasweg ungenügende Werte ergäbe, weil evtl. ein Vögelchen, eine Maus oder sonst irgendwas in Abgasleitung oder Abgasweg geraten wäre.

(Ich kann mir vorstellen, dass bei einer Ölbrennwertheizung der Abgasweg oder Abgasleitung evtl. eher verschmutzt wird, als bei einer Gasbrennwertheizung. Doch ich weiß es nicht.)

2. Zur Kontrolle der Abgasleitung hat der SF in die Wartungsöffnungen des ehemaligen Schornsteines im Keller und unter dem Dach geschaut. So konnte er womöglich sehen, ob die Abgasleitung aus Kunststoff und der ehemalige Schornstein (der bei mir der Zuluftzufuhr der Heizung dient) gut und frei aussieht. Dazu kann ich viel mehr nicht sagen.

Letztendlich ging es mir bei diesen Überprüfungen darum, sie gemäß dem (von mir ungeliebten) Feuerstättenbescheid erledigt zu bekommen.
Außerdem wollte ich feststellen, was der SF zwecks Überprüfung macht, und wieviel Zeit er dafür benötigt. Zudem war mir angenehm, mich zwischenmenschlich mit diesem SF-Gesellen  möglichst gut zu verstehen. Dadurch konnte ich mit ihm besprechen, wie er den Sinn dieser Überprüfungen und die mir dadurch entstehenden Kosten sieht. Und er plauderte dabei ein wenig "aus dem Nähkästchen" der SF.

3. Wie sich der Betrag von 109,71EURO zusammensetzt, kannst du dem Angebot entnehmen, welches ich am 11.6.2016 mit dem Start dieses Themas als Anhang beigefügt habe.

Mich ärgern diese hohen Kosten. Freiwillig hätte ich den Auftrag für die Überprüfungen zu diesen hohen Kosten nicht gegeben. Dieses Angebot war das bessere von vier Angeboten, die ich bekommen habe, und die ich alle überraschend und erschreckend hoch fand. Dieses Angebot wählte ich aus, weil es das einzige detailliert ausgeführte Angebot war, und das einzige, wozu der SF mir versicherte, dass ein Kostenanteil von ca.35 EURO nur diesmal für die einmalige Datenaufnahme in dem Angebot enthalten sei. Demnach kann ich in zwei Jahren, wenn ich den selben SF beauftrage, mit ca. 35 EURO geringeren Kosten rechnen. Darauf vertraue ich erst mal. Was in 2 Jahren sein wird, werde ich vielleicht erleben.

Auch ich habe zumindest gehofft, dass es durch den erwünschten freien Wettbewerb bei "frei" zu vergebenden SF-Arbeiten eine relative Wahlfreiheit und faire Preise für diese Arbeiten geben könnte. Tatsache scheint dagegen zu sein: Freien Wettbewerb gibt es bei uns hier im ländlichen Bereich in Niedersachsen nicht. Die Preise für "freie" SF-Arbeiten sind eher hoch als runter gegangen.

Dem Gespräch mit dem SF-Gesellen habe ich entnommen, dass die SF hier in der Gegend sich gut kennen, miteinander per-Du sind, und sich besonders auch über "besondere Kunden" austauschen. Es ist also anzunehmen, dass "unbequeme" oder "kritische Kunden" grundsätzlich mit höheren Preisen der SF rechnen müssen. Da werden wohl sowas wie "Risikozuschläge" oder "Erschwerniszulagen" eingerechnet, die natürlich offiziell niemand so nennt und die in den Rechnungen nicht direkt ersichtlich sind.

Es ist noch weiter zu kämpfen und zu streiten. Es gilt, solidarisch und gemeinsam für mehr Recht gegen viel Unrecht zu arbeiten.

Günter

simba2003hobby

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Hallo Günter will Frieden,

vielen Dank für Deine ausführlichen Beiträge. Du scheinst doch einer von denen zu sein, die sich nicht einfach die „Butter vom Brot“ nehmen lassen. Ich wollte, es gäbe mehr davon!

Das Angebot scheint, bis auf die ca. 35 Euro für die „Datenerfassung“ und die ca. 12,50 Euro für „Formularkosten“ in Ordnung zu sein. Mich würde noch die Bescheinigung interessieren, die der SF der Rechnung beigefügt hat. Könntest Du diese, ohne persönliche Daten, ins Forum stellen.

Wenn man von den 109,71 Euro die Kosten der alten KÜO von 65,47 Euro und die 35 Euro abzieht, dann bleiben noch 9,24 Euro für Formularkosten übrig. Ich habe in meinem Leben viel mit Handwerkern zu tun gehabt, aber noch nie erlebt, daß mir jemand für „Datenerfassung“ und „Formularkosten“ Geld abknöpft – aber sei’s drum, die übrigen Beträge sind mit der alten KÜO in etwa kompatibel.

Nun zur Begehung:

Wie bereits an anderer Stelle dargelegt, hat der SF in der Meßöffnung der Abgasleitung den Kohlenstoffmonoxidgehalt (CO) des Abgases und in der Meßöffnung der Zuluftleitung den Sauerstoffgehalt (O2) der Verbrennungsluft gemessen.

Der CO-Gehalt gibt Aufschluß über die Qualität der Verbrennung der Feuerstätte, der O2 -Gehalt läßt Rückschlüsse auf die Dichtigkeit der Abgasleitung zu.

Gegen die Messung des CO-Gehaltes läßt sich, außer des m.E. zu kurzen Intervalls von zwei Jahren, nichts einwenden, gegen die O2 -Messung schon.

Gemäß KÜO-Definition Anlage 4 Nr. 20 zu § 7, kann bei einer raumluftunabhängigen Feuerstätte, kein Abgas in Gefahr drohender Menge in den Aufstellungsraum austreten. D.h., der Gesetzgeber hat die raumluftunabhängige Feuerstätte als dicht eingestuft. Wenn der SF dies nicht glaubt und trotzdem eine O2-Messung durchführt, dann kann ich ihn nicht daran hindern, aber bezahlen würde ich diese „Leistung“ nicht.

Hinzu kommt noch, daß die Abgasleitung durch den ehemaligen Schornstein ins Freie verläuft. Wenn also, die Abgasleitung undicht werden würde, was äußerst unwahrscheinlich ist, dann passiert das, was die Jahre zuvor beim konventionellen Kessel die Regel war, nämlich, die Abgase werden durch den Schornstein abgeführt. Mir ist kein Fall bekannt, daß ein SF je einen Schornstein auf Dichtigkeit überprüft hat.

Die raumluftunabhängige Feuerstätte ist durch die Abgasleitung, die durch das gasdichte Zuluftrohr führt, wesentlich sicherer als jede konventionelle Feuerstätte. Sollte die Abgasleitung im Bereich des Zuluftrohres undicht werden, was ebenfalls äußerst unwahrscheinlich ist, dann würden die Abgase vom Brenner wieder angesaugt werden und der Brenner ginge, wegen der veränderten Luftverhältnisse, früher oder später auf Störung. Dann ist der Heizungsbauer zu beauftragen und nicht der SF.

Genauso verhält es sich, wenn der SF im Keller und auf der Bühne in die Revisionsöffnungen des ehemaligen Schornstein schaut. Vom Keller aus sieht er gar nichts, außer der Abstützung der Abgasleitung; von der Bühne aus, lediglich ein kurzes Stück der Kunststoffleitung, die einer Abwasserleitung entspricht. Ich kann den SF auch an dieser absolut überflüssigen „Leistung“ nicht hindern, aber ich würde dies ebenfalls nicht bezahlen, denn im Angebot ist ja nicht dezidiert aufgeführt, was an Arbeiten enthalten ist.

Fazit:

Ich würde dem SF weder „Datenerfassung“, noch „Formularkosten“, noch überflüssige Arbeiten bezahlen und ihm dies schriftlich mitteilen.  Wenn die Rechnung den verrechneten Zeitaufwand nicht ausweist, ist diese schon wegen Formfehler nichtig. 

Das Angebot ist weder für den SF, noch für Dich verbindlich und Du kannst Abzüge vornehmen, d.h., der SF hätte auch eine höherer Rechnung schicken können, da kein Pauschalpreis vereinbart wurde. Im Umkehrschluß kannst Du die Rechnung auch kürzen. Der Sf wird, schon wegen des geringen Streitwertes, keinen Prozeß wagen. Allerdings wird er auch nicht mehr zu Dir kommen. Mich würde das nicht stören, denn ich würde beim nächsten Mal den bBSF schriftlich beauftragen. Wenn dieser nicht kommt, schreitet das LRA ein. Das ist natürlich mit Ärger und Zeitaufwand verbunden, aber, wenn sich niemand wehrt, ändert sich auch an den Praktiken der SF nichts.



MfG

simba2003hobby

simba2003hobby

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Hallo Araym,

als SF sollten Sie wissen, daß der bBSF ein Kehrbuch führt. Dieser meldet an das LRA, wenn der Termin einer Überprüfung abgelaufen ist, ohne daß eine Überprüfung stattfand. Das LRA beauftragt dann den bBSF mit der Überprüfung.

Eine reklamierte Rechnung ist kein Grund, im Bezirk eine Liegenschaft auszuschließen (siehe Schikaneverbot BGB).

Gemäß welcher Vorschrift, wollen Sie den O2-Gehalt prüfen?

Es geht hier nicht um 50 Euro, sondern um bundesweite, ungerechtfertigte Abzocke. Ich habe nichts gegen Schornsteinfeger, die Ihre Arbeit korrekt ausführen!

Sie sollten Ihren Beitrag ins Forum stellen und mich nicht mit unausgegorenen Vorwürfen belästigen.

MfG

simba2003hobby

Günter will Frieden

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Mich würde noch die Bescheinigung interessieren, die der SF der Rechnung beigefügt hat. Könntest Du diese, ohne persönliche Daten, ins Forum stellen.

[...........]

Ich würde dem SF weder „Datenerfassung“, noch „Formularkosten“, noch überflüssige Arbeiten bezahlen und ihm dies schriftlich mitteilen.  Wenn die Rechnung den verrechneten Zeitaufwand nicht ausweist, ist diese schon wegen Formfehler nichtig. 

Das Angebot ist weder für den SF, noch für Dich verbindlich und Du kannst Abzüge vornehmen, d.h., der SF hätte auch eine höherer Rechnung schicken können, da kein Pauschalpreis vereinbart wurde. Im Umkehrschluß kannst Du die Rechnung auch kürzen. Der Sf wird, schon wegen des geringen Streitwertes, keinen Prozeß wagen. Allerdings wird er auch nicht mehr zu Dir kommen. Mich würde das nicht stören, denn ich würde beim nächsten Mal den bBSF schriftlich beauftragen. Wenn dieser nicht kommt, schreitet das LRA ein. Das ist natürlich mit Ärger und Zeitaufwand verbunden, aber, wenn sich niemand wehrt, ändert sich auch an den Praktiken der SF nichts.



MfG

simba2003hobby

Hallo simba2003hobby,

ich füge die anonymisierte Messbescheinigung bei.

Danke für deine Ausführungen. Ich kann die noch nicht so schnell verarbeiten. Ich brauche auch noch Zeit für mein übriges Leben, ohne Schornsteinfeger-Auseinandersetzungen. Gleichwohl bleibe ich dran!

Diese Schornsteinfegerrechnung habe ich komplett bezahlt, denn ich habe sein schriftliches Angebot (welches oben am 11.6.16 hier angefügt ist) schriftlich angenommen. An anderer Stelle im Forum hast auch du geschrieben, dass ich die Rechnung zu bezahlen habe, wenn ich das Angebot angenommen habe.
So fair möchte ich sein.
Trotzdem möchte ich dem SF noch eine Rückmeldung geben, dass ich den Zeitaufwand für die Überprüfung mit Fahrzeit und Fahrkosten und Datenaufnahme, usw. im Verhältnis zu dem Rechnungsbetrag kritisch sehe.

Interessant finde ich jedenfalls schon mal deine Ausführungen dazu, welche Arbeiten eigentlich zu den laut Feuerstättenbescheid vorgeschriebenen Überprüfungen von Abgasweg und Abgasleitung dazu gehören müssen (sollen....) und welche nicht. Damit will ich mich weiter beschäftigen.

Mit freundlichen Grüßen   Günter

simba2003hobby

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Hallo Günter will Frieden,

vielen Dank für deinen Beitrag vom 01.07. und der Beifügung der Bescheinigung.

Ich hätte natürlich auch, nachdem ich das Angebot unwidersprochen angenommen habe, die Rechnung ohne Abzüge bezahlt. Das gebietet, wie Du richtig bemerkst, die Fairness. Allerdings, hat der SF trotzdem den verrechneten Zeitaufwand in der Rechnung anzugeben. Fehlt der Zeitaufwand, ist die Rechnung nicht gesetzeskonform und nichtig, d.h., sie wurde nie geschrieben. Ich würde den SF, nachdem Du die Rechnung bezahlt hast, auch auf diesen Umstand (Mangel) hinweisen.

Nun zur Bescheinigung:

Verbrennungsluft/Lüftung: Wie will der SF denn die Verbrennungsluft kontrolliert haben? Das Zuluftrohr  steckt im ehemaligen Schornstein und damit ist die Öffnung nicht einsehbar. Bei einer raumluftunabhängigen Feuerstätte gibt es keine Lüftung.

Befestigung/Abstände: Hat der SF an der Therme gerüttelt? Hat der SF mit einem Meterstab die Abstände gemessen?

Äußerer Zustand: Welche Erkenntnis gewinnt der SF, wenn er die Verkleidung der Therme überprüft?

Brenner/Heizgasweg: Hat der SF sich den Brenner und den Heizgasweg angesehen? Dazu muß er das Gerät öffnen. Hat er dies getan?

Abgasabzug: Hat der SF das Abgas an zwei verschiedenen Stellen gemessen?

Verbindungsstück/Abgasleitung: Beides kann optisch nicht überprüft werden, da unsichtbar im Zuluftrohr/Schornstein verbaut.

Unterschrift: Hat der ausführende Geselle oder der SF die Bescheinigung unterschrieben?

Die Bescheinigung ist eine Urkunde, die gegenüber dem LRA bestätigt, daß die Feuerstätte die gesetzlichen Vorgaben erfüllt. M.E. wird die Feuerstätte vom SF als mängelfrei  deklariert, obwohl er, die sich selbst gestellten Arbeiten, nicht vollständig durchgeführt hat, bzw. überhaupt nicht durchführen konnte.

Da stellt sich natürlich als nächstes die Frage: wie kommt der SF dazu, diese Arbeiten vorzunehmen? In der KÜO finde ich unter § 1 Abs. 2 nur die Forderung, daß der Kohlenmonoxidanteil im Abgas nicht mehr als 1.000 ppm betragen darf. Da steht nichts von Befestigung/Abstände, usw.. Vielleicht kann mir das Forum da weiterhelfen?


MfG

simba2003hobby

Araym

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http://www.deutsche-anwaltshotline.de/rechtsanwalt/zivilrecht/handwerkerrechnung

Sollte möglicherweise mal bedacht werden


Jetzt wo ich dies durchgelesen habe, widerspricht dies nicht allem was hier so empfohlen wird? Oder worin unterscheiden sich jetzt diese Handwerkerrechnungen aus dem Link, von den Schornsteinfegerrechnungen (Freie Tätigkeiten, nicht die hohetlichen)
« Letzte Änderung: 02.07.16, 09:42 von Araym »

simba2003hobby

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Hallo Araym,

vielen Dank für den Hinweis zu dem interessanten Link.

Der entscheidende Punkt bei Handwerkerrechnungen ist, daß die Arbeiten im Zusammenhang mit einem Grundstück stehen müssen, wobei mit Grundstück auch das Gebäude gemeint ist. Selbst Rasen mähen, Fenster putzen, soweit es sich um umsatzsteuerpflichtige Leistungen eines Unternehmers/Handwerkers handelt, fällt unter die Verpflichtung, eine gesetzeskonforme Rechnung, auch an Privatpersonen, herauszugeben.

Wegen dieser Problematik, habe ich mich Anfang diesen Jahres mit einer Staatsanwältin unterhalten und sie gefragt, warum es nicht mehr Strafverfahren im Bereich „SF-Rechnungen“ wegen Verstoßes gegen § 14 UStG gäbe. Sie erklärte, daß der Streitwert das Problem sei.  Um ein Strafverfahren einleiten zu können, muß "öffentliches Interesse" vorliegen und das liege in den seltensten Fällen vor. Die Ermittlungsverfahren würden, in aller Regel, wegen "Geringfügiigkeit" eingestellt. Da bleibt nur als Trost, daß die Verfahren nicht "niedergeschlagen" werden, was hieße, daß keine strafbare Handlung vorgelegen hat.

Das muß man sich vorstellen: da werden in Deutschland millionnenfach SF-Rechnungen herausgegeben, die für den Kunden weder nachvollziehbar, noch überprüfbar sind und der Rechtsstaat behauptet, dies liege nicht im "öffentlichen Interesse", weil im Einzelfall der Streitwert zu gering ist.

Mit anderen Worten, man kann zwar millionenfach die Leute über den Tisch ziehen, man muß dabei nur beachten, daß der Rechnungsbetrag nicht zu hoch wird.

MfG

simba2003hobby

Araym

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Gehen wir es mal langsam an...
Also wir sind uns einig, dass eine Schornsteinfegerrechnung gleichzusetzen ist mit einer Handwerkerrechnung?