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Themen - HPB

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Dieser Bericht http://www.kontra-schornsteinfeger.de/forum/schornsteinfeger-gesetzliches/freier-schornsteinf-hatte-n-ans-des-gerichts-formblaetter-falsch-ausgefuellt/msg4448/?topicseen#msg4448 hat mich bewogen darüber laut nachzudeneken, "wo denn die freien Kehrer oder der Wettbewerb herkommen sollen?"

Lehre > Gesellentätigkeit > Meisterschule > Meistertätigkeit > Bezirkskehrer so lautete die klassische Kehrerkarriere bisher. Und so wird das von den Innungen noch propagiert.

In Deutschland gibt's laut Herrn Müller ca. 7.800 Kehrbezirke/Betriebe und damit schätzungsweise ca. 20.000 in diesem Gewerbe arbeitende Menschen. Dass das alte Lebenszeitverfahren in eine 7-jährige Variante gewechselt hat, führt doch dazu, dass aus diesem Verfahren besonders die (spätestens) nach 7 Jahren wieder rausfallen, die irgendwie (negativ) auffällig geworden sind - oder?

Bei uns ist es beispielsweise seit ca. 20 Jahren so, dass die Kehrer im 2-Jahre-Probezeit-Rhythmus rausgefallen sind und nach meiner Beobachtung hatten die jeweils massenweise Beschwerden aus der Kundschaft auf dem Kerbholz, der Aktuelle - nach der neuen Kehrerprämisse arbeitende - hat schon in einem Jahr eine ganz Latte von aufsichtsrechtlichen Diskussionen erzeugt und tritt in die Fußtapfen seines Vorgängers, der sogar Innungsgutachten und seine Mitarbeiter gegen sich hatte.

Treffen wir diese ausgemusterten Kehrer dann morgen als freie Kehrer und beklatschen sie auch noch, dass sie aus der Monopolmühle ausgebrochen sind? Wo soll denn der Nachwuchs herkommen, wenn man zum freien Kehren unter Zuhilfenahme der Schwerkraftbürste eine Meisterausbildung braucht? Und um die so wichtig(tuerische) Messung auszuführen braucht man lediglich ein Meßgerät für ein paar Euro.

Nach meiner Beobachtung finden sich auf den einschlägigen Plattformen gerade ein paar Dutzend freie Kehrer, einige agieren wohl ohne Plattform und im Großraum München oder gar Südbayern gibt's gerade einen schwer auffindbaren Freien. Damit haben überhaupt unter 1% der Bevölkerung die Wettbewerbswahl.

Vielleicht findet sich hier ein freier Kehrer, der dazu sein Statement abgibt. Derweil und daher plädiere ich für für die völlige Freigabe des "Kehramtes".

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Als ich diesen Kommentar  http://www.kontra-schornsteinfeger.de/forum/freie-schornsteinfeger/ausschreibungsplattform-fur-vergabe-von-schornsteinfegerarbeiten/msg4410/#new  geschrieben habe, ist mir bewusst geworden, dass die Ursache für das heutige Kaminkehrer-Unwesen weit in der Geschichte liegt. Durch meinen – längst verstorbenen – Schwiegervater hatte ich ein wenig Einblick in die Systematik und den möchte ich hier zur Diskussion stellen.

Geschichte: Als er sich vor gut 50 Jahren um einen eigenen Bezirk bemüht hat, standen ihm mehrere zur Auswahl. Er entschied sich dann für eine Region, zu der Fabrik- und Brauereischlote ebenso zählten, wie Siedlungshäuser und Wohnblocks. Auf diese Gewerbesituation abgestimmt baute er dann sein Haus mit Kehrer-Waschgelegenheit, Gesellenzimmer, Garage mit Werkstatt und er hatte ein separates „Rußauto“ mit Leiter. Er sah diesen Beruf, so wie jeder selbständige Handwerker, als Lebensaufgabe und entsprechend ging er mit seinen Kunden um.

Bereits in den 80ern kam es zu einer gewissen Umstellung von der traditionellen Ruß-Tätigkeit zur Mess- und Prüfaufgabe. Bereits damals sah er die heutige Problematik kommen, direkt erlebt hat er sie nur noch, da seine Nachfolger im Zwei-Jahres-Rhythmus gescheitert sind und Altkunden ihn weiterhin als senioren Ratgeber betrachten wollten, was die nervösen Jungmeister naturgemäß nicht wollten.

Gegenwart: Mittlerweile haben sich Technik und das Kommunikationsverhalten der Menschen in allen Bereichen des Lebens grundlegend geändert und monopolisierte Tätigkeiten stehen zu Recht im kritischen Fokus und die Kehrerei ist praktisch so überflüssig wie der sprichwörtliche Kropf. Dass Innungen und Politik weiter an dem Relikt festhalten, erklärt sich von selbst.

Hier wurde – auch von mir – schon verwundert die Frage gestellt, warum sich gerade die Nachwuchsgenerationen so wichtigtuerisch und eigengeschäftsschädigend verhält. Ich glaube, dass der Schlüssel in der krampfhaft geschaffenen sog. Wettbewerbssituation liegt. Wer um alles in der Welt, würde eine selbständige Berufs- oder Betriebsstätten-Wahl treffen, bei der er sich alle 7 Jahre neu bewerben und beweisen muss? Wer z.B. dieses Assessment http://www.inneres.bremen.de/sixcms/media.php/13/Erl%E4uterungen%20f%FCr%20das%20Auswahlverfahren-T%E4tigkeit%20als%20bevollm%E4chtigte%20Bezirksschornsteinfegerin%20und%20bevollm%E4chtigter%20Bezirksschornsteinfeger.pdf durchgelesen hat, versteht, dass ein rational denkender Mensch sich dieses Deutsche-Roulette niemals antun würde. Unser aktueller – oder besser ausgedrückt – noch-Bevollmächtigter wohnt 100 km entfernt und hat traurige Bekanntheit erlangt – auch bei der Aufsicht. Da wird bald wieder einer nachrücken und sein Debüt womöglich aus Braunschweig oder Bautzen steuern.

Dieses Trauerspiel wird erst ein Ende finden, wenn eine kleine Zahl von Spezialisten bei den Bauämtern angehängt sind und das ganze Business frei gegeben wird. Meinetwegen soll alle 5 Jahre einer kommen und die Anlage prüfen, aber was und von wem etwas gemacht wird, das will ich selbst bestimmen, so wie bei der Elektroinstallation, beim Auto oder wo auch immer Sicherheitsbedarf besteht!

Die sog. Wettbewerbssituation, die (angeblich) gilt, entspricht dem Henne-Ei-Prinzip und kann gar nicht funktionieren.


Administrator: Joachim Datko: An alle!
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Mal eine Frage an die Experten:

Angeregt durch die Beiträge hier, sind mir ein paar Dinge aufgefallen:

In § 4 Abs. 1 heißt es: Die Anlagen sind nach den anerkannten Regeln der Technik zu kehren oder zu überprüfen. Wird bei der Überprüfung festgestellt, dass eine Kehrung erforderlich ist, ist diese durchzuführen; dies gilt nicht für Heizgaswege von Feuerstätten.

Da ergibt sich für mich eine formale Frage:

Wenn Heizgaswege davon ausgenommen sind, warum steht dann auf meinem FSB eine jährliche Kontrolle der Abgasleitung? Und was unterscheidet die raumluftabhängige von der raumluftunabhängigen Feuerstätte? Unsere Gas-Zentralheizung (24 kW) steht in einem sehr kleinen, abgeschlossenen ausschließlichen Heizungskeller, der die Zuluft über ein Rohr durch das Kellerfundament und ein zusätzliches Lüftungsgitter im Fenster bezieht.

Zudem gibt es auf der Rechnung neben der Grundgebühr und Anfahrtspauschale 3 Positionen :

1. Die Abgaswegüberprüfung der Gasheizung - sind das die 40 cm zum Kaminanschluss?
2. Die Überprüfung der Gas-Abgaswege nach Kaminlänge - jeweils K+E+D, angeblich 12 Meter
3. Die Überprüfung des Kaminofen-Abgaswegs - Berechnung wie Punkt 2

Alle beziehen sich auf §1 Abs. 4 KÜO. Ich nöle hier nicht wegen dem Rechnungsbetrag (Bruttoges. 61,04 €, knapp 30 Minuten) rum, aber wenn die Prüfung des 40 cm Rohrs (Pos. 1) 15,50 € netto kostet, ist das Kehren vom Dach aus für 2 Kamine à 3,60 € netto geradezu geschenkt (dafür würde ich nicht auf ein Dach steigen). Hier passen Leistungen und Positionen nicht zusammen!

Freue mich auf ein Feedback

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Hallo an die Forenteilnehmer!

Hier die Eckpunkte einer Story, wie sie uns widerfahren sind und so überall vorkommen können.

Mein Schwiegervater war ca. 25 Jahre Bezirkskaminkehrermeister und so wie ich das beurteilen kann, hat er stets die Kirche im Dorf gelassen. 1990 ging er in Ruhestand. Ich habe im Grundsatz nichts gegen den Berufsstand, als Ing. hinterfrage ich allerdings Dinge.

Wir bauten 1992/93 auf Basis der seinerzeit gültigen Verordnungen (Stand 1989) entsprechend mustergültig. Unser Haus hat eine 24 kw Gasheizung und einen 9 kW Wodtke-Kaminofen, der seit Inbetriebnahme 1993 gerade 3 bis 4 Ster Holz verbrannt hat. Eine Besonderheit ist der Wohn-Ess-Küchen-Bereich, er ist ein Raum mit insgesamt ca. 600 m³ Volumen und das Haus verfügt über annähernd 100 m² Fensterfläche und eine ca. 350 cm² (Dauer)Belüftung im Bereich der Glasfassade. Die Abnahme erfolgte seinerzeit vom Nachfolger meines Schwiegervaters.

Die nachfolgenden Meister überstanden bis auf den ersten - der wechselte den Bezirk aus eigenem Antrieb - alle die 2-Jahres-Frist nicht und der Anfang 2013 scheidende hatte zu seinem Amtsantritt zwei Jahre zuvor ein merkwürdiges Gebaren. Er behauptete die Zuluft für die Gasheizung im Keller wäre zu gering (tatsächlich hatte sie den doppelten Querschnitt als erforderlich), dass das Typenschild der Fissman Heizung fehlen würde, der im getrennten Kellerraum (Feuerschutztür dawischen) aufgestellte Trockner wäre nicht zulässig und der Kaminofen hätte ein zu kleines Blech, darüberhinaus wäre ein Holzbalken im Feuerscheinbereich feuergefährlich. Zudem unterstellte er mir Begünstigung durch meinen Schwiegervater, was der eigentliche Hammer war.

Es ging über das LRA zur Reg. v. OBB und endete mit einem Innungsgutachten. Das wenig überraschende Ergebnis: Zuluftquerschnitt ausreichend, das Typenschild ist (üblicherweise) oben auf der Heizung, der Trockner stört nicht, der Kaminofen entspricht den Vorschriften von 1989 und genießt ohnehin Bestandsschutz. Letzteres insbesondere, weil die verlangte feuerfeste Unterlage nicht nur 49 cm (wie von der Ofenunterkante gemessen) sondern 54 cm zur Feuerstelle beträgt. Seinerzeit hat die Vorschrift eine "ausreichende" Größe verlangt, Wodtke hat ca. 50 cm von der Feuerstelle empfohlen, was heute normal ist. Der Feuerschein wurde als unerheblich erachtet. Ich erteilte dem Meister wegen der Begünstigungsunterstellung Hausverbot und habe ihn nie mehr gesehen.

Am 1.7.2013 meldete sich sein Nachfolger. Ein großspurig auftretender Jungmeister, der vom Vorgänger die Unterlagen über den Zwist offensichtlich übertragen bekam. Der nölte dann entsprechend rum bis ich im erklärte, dass er sich gerne gegen die bestehenden Gutachten wenden kann, das wäre dann (s)ein excellenter Einstand.

Seine Beanstandungsliste war dann die Frischluftzufuhr der Gasheizung (offensichtlich kann auch er die Grundrechnungsarten beim Rohrquerschnitt nicht), die Größe des Kaminofenblechs, ich erklärte ihm noch, dass er nicht falsch messen sollte. Völlig überraschend war dann im Mängelbericht die Raumluftentnahme des normalen Dunstabzugs in der Küche aufgeführt. Davon war zuvor kein Wort die Rede, ausgenommen, dass hier kein Handlungsbedarf bestünde. Er ignorierte meinen erinnernden Einwand und es kam zu einem entsprechenden Bescheid durch das LRA, die solche Dinge ungeprüft übernehmen. Das alte Aktenzeichen und meine übersandte Korrespondenz führten dann dazu, dass ihm das LRA die Luft aus den Segeln genommen hat und ihn informierte, dass wir jetzt "fremd kehren" lassen. Dies erledigte auch eine anderer Meister, der seit 2 Jahrzehnten sein Business solide macht und dessen Bezirk am Nachbargrundstück endet.

Natürlich habe ich das Formblatt für die erfolgte Kehrung am gleichen Tag an den sog. "Bevollmächtigten" gesandt, als ich es bekam.  Heute kam vom LRA die Beschwerde, dass ich nicht kehren lassen würde, mit dem ganzen Paragraphengedöns.

Resümee: Die Zunft macht sich selbst kaputt! Dergleichen ließ auch der schon verzweifelte Leiter im LRA durchblicken, als es um die Beschwerdepunkte ging. Und aus der Nachbarschaft wird dort offensichtlich extrem viel Nacharbeit hineingetragen.

Mein Tipp für ähnliche Fälle: Dem LRA oder dem Bezirk emotionsfrei die Dinge auflisten. Unser LRA hat heute innerhalb von wenigen Stunden positiv reagiert - offensichtlich inkl. einer Meisterschelte. Ich schätze der nächste Wechsel kommt bestimmt.

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